Frische Erde hat einen ganz besonderen Geruch. Verantwortlich dafür sind für den Boden wichtige Bakterien, die Duftstoffe aussenden, um größere Gliedertierchen damit anzulocken. Diese benutzen die Bakterien dann als "Mitfahrgelegenheit", um sich schneller und weiter zu verbreiten.

Streptomyceten sind Bakterien, die eine wichtige ökologische Funktion erfüllen: Sie kümmern sich in der Erde um den Abbau von organischem Material, wie zum Beispiel Blättern - als Mini-Recyclingexperten sorgen sie also für fruchtbaren Boden. Um diese Materialien abzubauen, bilden die Bakterien im Boden pilzartige Geflechte, sogenanntes Myzel. Diese Geflechte sind vergleichbar mit Schimmel, der sich beispielsweise auf Lebensmitteln bildet.

Lockende Duftstoffe

Bei dem Prozess des Abbaus werden von den Streptomyceten zwei Substanzen verströmt: Geosmin und 2-Methylisoborneol. Aus gutem Grund: Da sie Bakterien sind, können sie sich nämlich nicht selbst weiterverbreiten und brauchen sozusagen eine "Mitfahrgelegenheit", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski.

"Diese Streptomyceten verströmen dabei insbesondere zwei Substanzen: Geosmin und 2-Methyl-iso-borneol."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Hier kommen die Springschwänze in Spiel. Springschwänze, das sind Gliedertierchen, die sich von verrotteten Pflanzenmaterial und den Mikroben darauf ernähren. Sie werden von den Duftstoffen der Streptomyceten angelockt.

"Die Bakterien nutzen diese Gliedertierchen dann sozusagen als Mitfahrgelegenheit, um sich weiter zu verbreiten."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Um herauszufinden, ob die Duftstoffe tatsächlich als Lockstoffe funktionieren, hat ein Team um den schwedischen Forscher Paul Becher von der Swedish University of Agricultural Sciences eine Freilandversuch gestartet.

Streptomyceten versus Streptomyceten-Mutanten

Dabei haben sie in y-förmigen Versuchsgefäßen einen Teil der Erde mit Streptomyceten und einen anderen Teil mit Streptomyceten-Mutanten versehen, die keine Duftstoffe produzieren können. Das Ergebnis war eindeutig: Die Fühler der Springsschwänze reagierten auf die echten Streptomyceten und sie fraßen nur die Erde, die diese Bakterien beinhaltete.

Weite Verbreitung

Dabei spielt es auch keine Rolle, dass die Bakterien von den Springschwänzen inklusive der Erde aufgefressen werden. Denn die Bakterien sterben dadurch nicht, sondern werden von den Springschwänzen einfach irgendwann wieder ausgeschieden. Nur dann ganz woanders, denn die Springschwänze können durch eine Gabel am Hinterteil sehr weit hüpfen und werden teilweise auch vom Wind mitgenommen.

"Springschwänze kommen ziemlich viel rum: Die haben an ihrem Hinterteil so eine Gabel, mit der sie herumhüpfen können. Teilweise werden sie auch einfach vom Wind mitgenommen, weil sie so winzig sind."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Und es gibt noch eine weitere Möglichkeit, mit den Springschwänzen zu reisen: Auch außen am Springschwanzkörper können Sporen mit Streptomyceten hängen bleiben – eine sehr effektive "Mitfahrgelegenheit" also.