Wenn man die Batterien von E-Autos als Stromspeicher nutzen würde, könnten sie bei möglichen Stromengpässen helfen, so eine Studie. Schon 2030 gebe es so viele E-Autos, dass damit die meisten Stromschwankungen ausgeglichen werden könnten, sagen die Forschenden.

Wenn in der Zukunft fast alle Autos mit Strom fahren und dieser Strom aus Sonne und Wind kommen soll, dann könnte das für die Stromnetze zu einer ziemlichen Belastung werden, fürchten viele. Insgesamt brauchen wir dann ja mehr Strom als bisher, die erneuerbaren Energien können aber nicht immer stabil die gleiche Strommenge liefern. Bei Solar- und Windkraft muss zum Beispiel das Wetter mitspielen.

"Die Speicherkapazität aller E-Autos zusammengenommen könnte schon sehr bald helfen, Verbrauchsspitzen auszugleichen, so die Studie."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Es könnte also im ungünstigen Fall zu Engpässen kommen, fürchten Expert*innen. Im Wissenschaftsmagazin Nature haben Forschende aus den Niederlanden und den USA jetzt eine Studie vorgelegt, die das Gegenteil behauptet: Erneuerbare Energien und E-Autos können sehr gut zusammen funktionieren, sagen sie. Die in den Batterien der E-Autos gespeicherte Energie könnte nämlich schon sehr bald helfen, Verbrauchsspitzen auszugleichen.

Strom vom Auto ins Netz

Und so soll das Ganze aussehen: Wenn euer E-Auto an einer Ladesäule hängt und ihr es gerade nicht zum Fahren braucht, fragt euch die Ladesäule: "Es gibt gerade eine Stromknappheit, könnte ich vielleicht Strom von deinem Auto ins Netz einspeisen?" Die Technologie dahinter heißt V2G, das steht für "Vehicle to Grid", also "Auto zum Netz".

Eine oder ein paar Autobatterien wären natürlich zu wenig, um Stromschwankungen im Netz ausgleichen zu können. Doch wenn man jetzt die Energie aller Autobatterien zusammenrechnet, könnte das sehr wohl helfen, so das Forschungsteam.

Auch alte Batterien könnten so noch genutzt werden

Wenn ihre Leistung nach mehreren Jahren Benutzung unter 70 fällt, gelten E-Auto-Batterien bereits als "alt" bzw. zu schwach, um noch E-Autos anzutreiben, erklärt Veronika von Borries von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten, manchen Batterien zählen sogar schon ab unter 80 Prozent als Ausschuss.

"Alte E-Auto-Batterien lassen sich zu stationären Stromspeichern zusammenschließen. Diese könnten noch zehn Jahre lang bei der Netzstabilisierung helfen, sagen die Forscher."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Diese Batterien ließen sich der Studie zufolge ausbauen und zu stationären Stromspeichern zusammenschließen. Auf diese Weise könnten sie noch zehn Jahre lang bei der Netzstabilisierung helfen, sagen die Forschenden. Diese Speicher könnten als geladen werden, wenn es viel Strom gibt, und entladen, wenn zu wenig Strom da ist.

Noch zu wenig E-Autos

Noch sind für diese Pläne zu wenige E-Autos auf der Straße. Aber der Markt boomt: Die Forschenden gehen in ihren Berechnungen davon aus, dass es bis 2030 so viele E-Autos auf der Welt gibt, dass mit deren Batterien fast alle kurzfristigen Stromschwankungen in den meisten Weltregionen ausgeglichen werden könnten.

Bis 2050 könnte die Strommenge, die kurzfristig zur Verfügung gestellt werden kann, dann locker für alle kurzen Stromschwankungen ausreichen, so die Studie.

Idee: Finanzielle Anreize für V2G

Natürlich kommt es darauf an, wie viele E-Autofahrer*innen bei der Idee mitmachen. Dagegen spricht: Je häufiger eine E-Auto-Batterie entladen und wieder aufgeladen wird, desto schneller sinkt ihre Leistungsfähigkeit. Wenn man bei V2G mitmacht, geht das also auf den Wert des Autos. Man müsste den Autobesitzer*innen also im Gegenzug etwas dafür anbieten – zum Beispiel Geld, schlagen die Autoren der Studie vor.

"Damit V2G funktioniert, müssten je nach Szenario 12 bis 43 Prozent der E-Auto-Fahrer*innen mitmachen."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Und Anbieter von kommerziellen Fahrzeugflotten wie Autovermieter oder ÖPNV-Betriebe könnte man auch verpflichten, ihre Fahrzeuge für V2G zur Verfügung zu stellen. Damit das Ganze funktioniert, müssten je nach Szenario zwischen 12 und 43 Prozent der E-Auto-Fahrer*innen mitmachen, sagen die Forschenden.

Die nötige V2G-Technik ist bereits vorhanden – sie ist aber noch nicht in allen Ladesäulen verbaut. Diese Technik verpflichtend für alle neuen Ladesäulen zu machen, sei eine Stellschraube, an der die Politik drehen kann, um die Stabilität der Stromnetze in Zukunft zu sichern, so die Autor*innen der Studie.

  • Moderation:  Tina Howard
  • Gesprächspartnerin:  Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten