Das Kabinett plant eine Bafög-Reform: Mehr Studierenden sollen eine Förderung beantragen können. Auch Dauer, Altersgrenzen und elterliche Freibeträge sollen angehoben werden.

Es fängt schon bei der Miete an: Wer aus dem elterlichen Heim in eine Großstadt zieht, um dort zu studieren, muss mit hohen Mieten rechnen.

Während der Lockdowns haben viele Studierenden den Nebenjob, mit dem sie ihr Studium teilweise finanziert haben, aufgeben müssen. Für viele wurde die finanzielle Belastung zu hoch, sodass sie ins Elternhaus zurückgezogen sind.

Reform kann mittelfristig Verbesserung bringen

Im Bundeskabinett wird heute (22.12.) der Bafög-Bericht der Bundesregierung diskutiert. Mit diesem Bericht wird regelmäßig überprüft, dass die Bafög-Regelsätze zum Beispiel gestiegenen Lebenshaltungskosten entsprechen. Ein Ergebnis des Berichts ist das inzwischen höhere Förderbeiträge ausgezahlt werden, die aber weniger Studierenden zugute kommen.

Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger plant eine Reform, die dafür sorgen soll, dass mehr Studierende das Bafög beantragen können und die Begünstigte mehr Geld erhalten als bisher. Die Bundesministerin möchte diese Reform möglichst schnell auf den Weg bringen.

Allerdings bringt diese Neuregelung den Studierenden, die akut in Geldnot sind, nichts, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath. Voraussichtlich erst mittelfristig werden Studierende diese Veränderungen für sich nutzen können.

"Es soll mehr Geld geben - mehr als bisher ausbezahlt wird -, also tatsächlich das, was dann auch im Portemonnaie monatlich bei den Studierenden ankommt."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Bisher erhält rund jeder und jede neunte Studierende Förderung durch den Staat. Maximal 861 Euro erhalten die Förderberechtigten bisher. Dieser Betrag soll mit der Reform angehoben werden.

Zu den geplanten Änderungen zählt auch, dass die Freibeträge für das elterliche Einkommen erhöht werden sollen. Das zielt darauf, dass dies mehr Studierende dazu berechtigt, das Bafög zu beantragen.

Sozial Schwächeren helfen, sich einzuschreiben

Zudem soll die Altersgrenze und die Förderdauer angepasst werden. Bisher endete das Bafög mit dem 30. Lebensjahr. Auch die Regelstudienzeit soll nach oben korrigiert werden, somit wird förderberechtigten Studierenden ermöglicht, länger zu studieren als bisher.

"Das alles dient dazu, dass mehr Leute einen Anspruch haben. Denn bisher wird das Bafög nicht von allen ausgeschöpft, die es kriegen könnten."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Vor allem sozial Schwächeren, die in ihren Familien möglicherweise die Ersten sind, die überhaupt studieren, soll die Reformierung des Bafögs helfen, sich an Unis einzuschreiben. Geplant ist, das Bafög so zu reformieren, dass es künftig auch Kosten für einen neuen Laptop oder den Umzug an den Studienort abdeckt.

Bisher handelt es sich bei der Bafög-Reform um eine Ankündigung. Wie hoch die Gelder, die ausbezahlt werden, ausfallen, müsse noch verhandelt werden, sagt Armin Himmelrath. Und es ist noch nicht klar, wie schnell solche eine Neuregelung umgesetzt werden kann.

"Ein Schnellhilfeprogramm ist das, was heute besprochen wird, nicht."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter