Manche Studierende können es kaum erwarten, in die Hörsäle zurückzukehren. Andere sind froh darüber, wenn sie zu Hause bleiben dürfen. Beides gleichzeitig anzubieten, erweist sich in vielen Fällen als schwierig.

Für dieses Sommersemester wurde bundesweit die Rückkehr zur Präsenzlehre beschlossen. Für die meisten Studierenden, die zwei Jahre Onlinelehre hinter sich haben, ist das eine große Erleichterung. Für andere ist diese Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen aber auch mit Risiken verbunden.

Damit Menschen, die zu Risikogruppen zählen, weiterhin studieren können, bieten die meisten Universitäten sogenannte hybride Lehrkonzepte an. Das kann einerseits bedeuten, dass das Lehrangebot aus einer Mischung aus Online- und Präsenzformaten besteht. Andererseits kann es auch heißen, dass Präsenzveranstaltungen zusätzlich gestreamt werden.

"Einige Dozierende erzählen tatsächlich, dass ihnen gesagt worden wäre, dass Zoom jetzt verboten wäre, weil ein Präsenzsemester stattfindet. Andere legen es sehr strikt aus und sagen: 'Ja, wir wissen, wir dürfen es anbieten, aber ich will das einfach nicht'."
Maximilian Hampel, Asta Bielefeld

Manche Studierende bevorzugen die Präsenzveranstaltungen, andere den Stream, mit dessen Hilfe sie ihr Studium von zu Hause aus fortsetzen können. Genauso gibt es auch Dozentinnen, die das eine oder das andere bevorzugen.

Die Universität Bielefeld hat Geräte angeschafft, um möglichst viele Präsenzveranstaltungen parallel zu streamen. Aber ob das tatsächlich auch gemacht wird, lässt die Uni die jeweiligen Dozenten selbst entscheiden.

"Dass die nicht weiter genutzt werden beziehungsweise nicht einheitlich weiter genutzt werden und die Universität es auch nicht vorschreibt, ist keine glückliche Lösung."
Maximilian Hampel, Asta Bielefeld

Maike Messerschmidt lehrt an der Uni Tübingen Politikwissenschaften. Sie hat schon im vergangenen Semester versucht, ein Seminar hybrid zu geben. Für sie war das Resultat frustrierend.

Uneingeschränkte Teilnahme nicht für jeden Studierenden möglich

Ein Teil der Studierenden war vor Ort, ein anderer Teil hat online teilgenommen. Vor dem Seminar konnten sich die Studierenden, die per Stream teilgenommen haben, beispielsweise nicht mit den anderen Studierenden besprechen. Für all diejenigen, die nicht im Seminarraum anwesend waren, sei es frustrierend gewesen, sagt die Dozentin.

Wenn Präsenzveranstaltungen nicht möglich sind, würde Maike Messerschmidt lieber komplette Onlineseminare halten. Das sei für Diskussionen, die ja zu einem Studium der Politikwissenschaft dazugehören, einfacher als die hybride Variante.

"Ich hab schon vor Corona studiert und dann natürlich mit Corona weiterstudiert. Da ich eine chronische Erkrankung und Schwerbehinderung habe, bin ich immer mal wieder eingeschränkt in meiner Teilhabe, gerade wenn es im Präsenzunterricht ist."
Sabrina, Studierende mit einer chronischen Erkrankung

Ein Vorteil war die reine Online-Lehre für Sabrina. Sie ist Studentin an der Universität Münster und hat eine chronische Erkrankung. Eine Corona-Infektion kann für sie lebensbedrohlich sein. Darum ist es für sie eine denkbar schlechte Option, in einem vollbesetzten Seminarraum zu sitzen. Ihr Studium hatte sie bereits vor der Pandemie begonnen.

Aufgrund ihrer Erkrankung war sie zuvor schon immer mal in ihrer Teilhabe eingeschränkt gewesen. Das Online-Angebot ihrer Uni hatte es für Sabrina deutlich leichter gemacht, an Uni-Veranstaltungen teilzunehmen. Nach der Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen muss Sabrina ihre Seminare nun danach auswählen, ob sie hybrid angeboten werden. Sie empfindet das als diskriminierend.

Die Problematik zeigt sich an vielen Unistandorten. Ob in Tübingen, Münster oder Bielefeld: An diesen Hochschulen können Menschen, die zur Risikogruppe gehören, zurzeit nur noch eingeschränkt studieren, weil es bisher keine flächendeckenden hybriden Lösungen gibt.

Während der Pandemie auf hybride Angebote setzen

Daryoush Danaii ist Vorstand des Verbands "Freier Zusammenschluss von Student*innenschaften". Für ihn ist auch die psychologische Belastung durch die Online-Lehre ein wichtiger Aspekt, auf Präsenzveranstaltungen zu setzen, wenn die Pandemie zur Endemie geworden ist. Viele Studienanfänger haben beispielsweise Schwierigkeiten, Anschluss zu finden, wenn sie die Seminare und Vorlesungen ausschließlich online absolvieren.

Während der Pandemie sollten Universitäten daher versuchen, soweit das möglich ist, auf hybride Lösungen zu setzen, weiter an Lösungsmöglichkeiten zu arbeiten, offen und experimentierfreudig zu bleiben, sagt Daryoush Danaii.

  • Moderation:  Tina Howard
  • Autor:  Conor Körber, Deutschlandfunk Nova