Wenn ein Wald durch einen Sturm oder Borkenkäfer verwüstet oder zerstört wurde, neigen wir Menschen dazu, das Chaos beseitigen zu wollen. Auf die Artenvielfalt kann das allerdings negative Auswirkungen haben.

In vielen Regionen ist es in den letzten Jahren immer häufiger zu Waldbränden gekommen wie beispielsweise gerade in Kalifornien. Gleichzeitig kommt damit die Frage auf, ob trockene und querliegende Äste und Stämme, die durch Insektenbefall, Stürme, Dürre oder vorherige Brände entstanden sind, diese Feuer begünstigen und deshalb besser weggeräumt werden sollten.

Ein großes internationales Wissenschaftsteam, bei dem auch Forschende der Universität Würzburg beteiligt waren, schreiben im Fachmagazin Nature Communications: Im Hinblick auf die Artenvielfalt ist es besser, den Wald in größten Teilen sich selbst zu überlassen und alles so stehen und liegen zu lassen, wie es gefallen ist.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Das würde als Nebeneffekt sogar dazu führen, dass durch die großen Baumstämme Schatten und Feuchtigkeit entstehen könne, was gleichzeitig die Waldbrandgefahr verringern könnte.

Aufräumen nur bedingt gut

Die Forschenden haben Wälder untersucht, bei denen besonders viel Waldfläche zerstört wurde und verglichen, ob sie danach sich selbst überlassen wurden oder Reste weggeräumt oder sogar Bäume gefällt wurden. Ergebnis: Wo gar nicht oder kaum aufgeräumt wurde, war die Artenvielfalt von Pflanzen, Vögeln, Insekten und Pilzen höher.

"Wenn nicht oder nur wenig aufgeräumt wurde, war das für die Artenvielfalt sehr viel besser. Heißt: es gab dann mehr Pflanzen, Vögel, Insekten und Pilze."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Grundsätzlich ist das Aufräumen und Aufforsten keine schlechte Idee, viele Forschende sagen mittlerweile, dass es in manchen Fällen sogar helfe, eine Waldfläche bewusst neu zu planen und zu bepflanzen. Für Waldbrandgebiete gilt das allerdings nicht, denn dort brennen junge Bäume deutlich leichter als alte. In anderen Fällen könne die Natur es aber auch alleine regeln, wie die neue Studie zeigt.

Je mehr unberührte Fläche, desto mehr Artenvielfalt

So fanden die Forschenden heraus, dass bei einem zerstörten Wald 90 Prozent des Artenreichtums erhalten werden können, wenn drei Viertel des Waldes nicht aufgeräumt werden. Lässt man die Hälfte der Waldfläche in Ruhe, bleiben noch 70 Prozent der Arten.

"Wenn ungefähr 75 Prozent eines zerstörten Waldes nicht aufgeräumt werden, also komplett in Ruhe gelassen werden, bleiben 90 Prozent des Artenreichtums erhalten."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Zudem fanden die Forschenden heraus, dass es bei der Artenerhaltung leichte Unterschiede gibt, je nachdem unter welchen Umständen der Wald zerstört wurde. Wenn der Wald zur Hälfte sich selbst überlassen wird, bleiben bei einem Insektenbefall nur ungefähr 57 Prozent der Arten erhalten, bei Schäden durch einen Sturm sind es ungefähr 75 Prozent.

Über 100 Jahre Regenerationszeit

Bis sich der Wald erholt hat, können allerdings mehr als 100 Jahre vergehen. Die Forschenden sprechen sich in ihrer Studie dennoch dafür aus, dem Wald lieber diese Zeit zu geben als einzugreifen. Auch in Deutschland gibt es Naturwaldreservate, in denen der Wald ganz bewusst sich selbst überlassen wird. Eine Liste, wo sie sich in Deutschland befinden, findet ihr hier.