Bei Suchmaschinen ist es wohl wie beim Dating: Entweder der Treffer passt oder nicht. Bei der Suchmaschinen-App "Xayn" sollen Nutzerinnen und Nutzer auch nach rechts und links wischen, damit die App ihnen in Zukunft das passende Suchergebnis anzeigt.

Geben wir etwas in eine Suchmaschine ein, möchten wir Suchempfehlungen von ihr bekommen, die zu uns passen. Manche Webseiten machen das, indem sie personenbezogene Daten sammeln und mit jeder Suchanfragen etwas über uns lernen. Der Datenschutz geht dabei manchmal unter.

Meistens können Userinnen und User aber auch verhindern, dass Daten gesammelt werden - dann sind die Suchergebnisse eben maximal unpersonifiziert.

Keine Datenkrake: Daten sollen auf Handy bleiben

Die App Xayn eines Berliner Start-ups möchte das anders machen und Datenschutz mit auf die Suchperson angepassten Suchergebnissen kombinieren: Wir sollen die App mit unseren Suchanfragen trainieren, ohne dass sie die Daten dabei abgreift. Die würden auf dem Smartphone in der App bleiben. So das Versprechen der Hersteller.

Die App lernt dabei mehr über uns, indem wir die angezeigten Suchergebnisse nach links oder rechts wischen – ähnlich wie bei einer Dating-App. Mit dem Swipe nach rechts weiß die App: Ja, der Treffer passt. Analog dazu bedeutet der Swipe nach links: Nein, nach diesem Ergebnis haben wir nicht gesucht.

Swipen für das passende Match

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting hat getestet, ob das funktioniert. Als Suchbegriff hat Stephan "AIDA" eingegeben. In seinem Fall hat er einen Begriff aus der Psychologie gemeint - ein Akronym, das für "Attention, Interest, Desire, Action" steht.

Die Suchmaschinen-App hat ihm unter den ersten Treffern allerdings mehrere Seiten zum Kreuzfahrtschiff oder der äthiopischen Prinzessin aus der gleichnamigen Oper von Guiseppe Verdi angezeigt. Das Akronym aus der Psychologie tauchte unter den Suchergebnissen zuerst auf Platz 19 auf und bei der nächsten Suche im Anschluss rückt es weiter nach unten auf Platz 29.

Das war absehbar, weil Stephan die App vorher noch nicht benutzt hatte und sie hinsichtlich seiner Interessen erst trainieren muss – in diesem Beispiel auf Themen aus der Psychologie.

Das macht er anschließend mithilfe weiterer Akronyme wie MAD, was für "Manic Aggressive Dynamic" steht oder FEAR, hinter dem "False Expectations About Reality" stecken.

"Alles was interessiert: Rechts-Swipe. Alles was nicht passt: nach links."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Empfiehlt ihm die Künstliche Intelligenz (KI) hinter der App eine Webseite, die er passend zu seiner Anfrage findet, wischt Stephan nach rechts. Die KI lernt über das Wischen etwa, dass sich Stephan im Kontext Psychologie bewegt. Nach einer Zeit weiß sie: Gibt er "AIDA" ein, meint er nicht das Kreuzfahrtschiff.

KI trainieren und Daten schützen

Die Künstliche Intelligenz merkt sich zusätzlich, welche Webseiten Stephan oft besucht und sieht auch, zu welcher Tageszeit er welche Suchbegriffe eintippt. Denn: Die Vermutung liegt nahe, dass der Deutschlandfunk-Nova-Reporter tagsüber für die Arbeit nach anderen Themen sucht als in seiner Freizeit am Abend.

Zudem soll die KI Stephan Webseiten vorschlagen, von der sie nicht vermutet, dass er sich dafür interessiert. "Das ist ganz wichtig. Das heißt, es verschlechtert im Prinzip die Ergebnisse, aber mit einem gewissen Zweck, denn man kann sich nie hundertprozentig sicher sein", erklärt Leif Lundbæk, Mitgründer des Start-ups. Eine KI arbeitet eben immer nur mit Wahrscheinlichkeiten.

Zehn Minuten gibt Stephan der App Zeit, um sie auf psychologische Begriffe zu trainieren. Als er zum Schluss noch mal seinen ersten Suchbegriff AIDA eingibt, ist der erste passende Treffer von Platz 19 beziehungsweise 29 auf Platz sieben hochgerückt. Die App hat also etwas über ihn gelernt.

Vergleich mit Google

Dass die Such-App Xayn als Alternative zu Google fungieren wird, erscheint eher unwahrscheinlich, weil Google in der Regel schnell gute und brauchbare Suchergebnisse liefert - selbst, wenn man Google in Sachen Datenschutz unproblematisch nutzt, also ohne mit einem Account angemeldet zu sein und alle Cookies deaktiviert hat.

Tatsächlich hat Google keine Möglichkeit herauszufinden, dass mit "AIDA" nicht das Kreuzfahrtschiff, sondern der Begriff aus der Psychologie gemeint sein könnte. Hier lässt sich aber schnell Abhilfe schaffen, und vermutlich haben das die meisten Suchenden auf dem Schirm: Einfach nach "aida psychologie" suchen, und schon passen die Ergebnisse.

Ob Xayn jemals eine Alltagsdurchdringung erreichen wird, ist fraglich. Tatsächlich könnte die lernende Suche aber für spezielle Anwendungen hilfreich sein: Wenn jemand immer wieder nach Dingen aus dem selben Themenfeld sucht und im Kontext bleiben möchte, zum Beispiel in der Wissenschaft oder im Berufs-/Unternehmensumfeld.

Xayn wäre in diesem Sinne keine klassische Suchmaschine, sondern eher ein Tool für eine tiefgründige Recherche.