Im Sudan regiert das Militär und geht repressiv gegen die Proteste der Bevölkerung vor. Derzeit sei der Militärrat nicht bereit, Macht abzugeben, sagt unsere Korrespondentin. Dennoch hoffe die Bevölkerung auf einen Machtwechsel.

Die Opposition im Sudan erhöhe mit zivilen Protesten den Druck auf den Militärrat. Der oppositionelle Gewerkschaftsverband, Sudanese Professional Association, habe zu Protesten aufgerufen. Weitere Kundgebungen und Großdemonstrationen seien geplant. Ziel sei, den militärischen Übergangsrat von Lieutenant General Abdel Fattah al-Burhan zu Neuwahlen zu bewegen und durch eine zivile Regierung zu ersetzen.

"Es gibt Proteste in Karthum und auch in den beiden Nachbarstädten, aber das sind nur kleine Proteste mit ungefähr 50 bis 100 Leuten."
Anne Allmeling, Korrespondentin für Zentral- und Nordafrika

Die ARD-Korrespondentin Anne Allmeling berichtet aus der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Dass sich nicht mehr so viele Menschen an den Demonstrationen beteiligten, liege nach ihrer Einschätzung auch daran, dass das Internet abgeschaltet worden sei.

Internet abgeschaltet

Die Menschen hätten nun keinen Zugriff mehr auf Twitter und Facebook. Über diese beiden Plattformen habe sich der Protest bislang organisiert. Das schwäche die Opposition im Sudan, sagt Anne Allmeling.

Keine Anzeichen für Machtwechsel

Nach dem Generalstreik der vergangenen Woche sei das Alltagsleben wieder in die Hauptstadt zurückgekehrt. "Aber viele Sudanesen bewegen sich mit sehr großer Vorsicht", sagt Anne Allmeling. Viele wollten aus Angst auch nicht mit Journalisten sprechen. Denn die sogenannten Sicherheitskräfte übten im Sudan die Waffengewalt aus. Sicherheit ginge von ihnen derzeit eher nicht aus. Sie seien - aus Sicht der Bevölkerung - für eine Welle der Gewalt verantwortlich.

"Zur Zeit sieht es gar nicht danach aus, als sei der militärische Übergangsrat bereit, auf seine Macht zu verzichten."
Anne Allmeling, ARD-Korrespondentin Studio Kairo

Das Militär sei derzeit nicht bereit, Macht abzugeben, sagt unsere Korrespondentin. Trotzdem seien viele Sudanesen weiter voller Hoffnung, dass ein Wechsel stattfinden werde. Deshalb organisieren sie sich weiterhin und stellen Forderungen auf. Dass diese Forderungen umgesetzt werden würden, kann sie sich nicht vorstellen.

"Wie es weiter geht? Das trauen sich selbst die Sudanesen nicht ohne Weiteres zu sagen, was auf sie zukommen wird."
Anne Allmeling, ARD-Korrespondentin Studio Kairo

Die Sudanesen fühlten sich von der internationale Gemeinschaft eher im Stich gelassen, berichtet unsere Korrespondentin. Gegen den Militärrat seien international bislang keine Sanktionen vereinbart worden. Die EU oder auch die USA hätten zwar gefordert, dass es eine zivile Übergangsregierung geben müsse, aber stattdessen bekomme er erhebliche finanzielle Unterstützung vor allem aus Saudi Arabien und den Vereinigten Arabische Emirate, sagt Anne Allmeling.

Militär geht gewaltsam gegen Proteste vor

Das Militärregime hatte Anfang Juni erstmals die Verantwortung für den brutalen Angriff auf ein Protestcamp am 3. Juni 2019 übernommen und von Fehlern gesprochen.

Eine von den UN geforderte unabhängige Untersuchung der Vorfälle lehnen die Militärs aber ab. Während des Massakers seien über 100 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Opposition seien seit dem Angriff vom 3. Juni mindestens 118 weitere Menschen getötet worden. Laut WHO seien mehr als 850 Verletzte in Krankenhäusern behandelt worden.