In Südamerika gehören Brände während der Trockenperiode zur Normalität. In diesem Jahr brennen allerdings außergewöhnlich viele und große Feuer – besonders betroffen ist der brasilianischen Regenwald.

In Bolivien, Paraguay, Argentinien und besonders in Brasilien, wüten seit Wochen viele verschiedene Feuer in den Wäldern und angrenzenden Steppen. Im fast 2000 Kilometer von den Brandherden entfernten São Paulo verdunkelte sich der Himmel und es fiel schwarzer Regen.

Brände, Feuer und Brandrodungen haben in Brasilien seit Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zugenommen. Insgesamt registrierte die nationale brasilianische Weltraumbehörde 72.843 Brände . Meist sind Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Schutzgebieten brennt es immer wieder. Wegen Trockenzeit in der Region breiten sich die Brände weiter aus.

Verzögerte Wahrnehmung

Nachdem die Brände längere Zeit als saisonaler Normalzustand weitestgehend ignoriert wurden, wird ihnen inzwischen größere mediale Aufmerksamkeit zu teil. Anne Herberg ist unsere Korrespondentin für Südamerika. Sie weist darauf hin, dass Nachrichten aus den Urwaldgebieten grundsätzlich nur verzögert durchdringen.

"Der große Weckschrei war wohl die Situation in Sao Paulo. Da haben sich zwei Phänomene vermischt. Da kam eine Kaltwetterfront und diese Rußpartikel zusammen."
Anne Herrberg, Korrespondentin für Südamerika in Buenos Aires

Sie erklärt, dass Brandrodung in den Wäldern ein gängiges Mittel zur Landgewinnung für Viehwirtschaft und Ackerbau ist. Die gegenwärtige Trockenheit werde dazu ausgenutzt.

"Landbesitzer, Siedler setzen Flächen in Flammen, um sie vom Unterholz und vom Wald zu befreien –auch zur Landspekulation, zum Anbau et cetera."
Anne Herrberg, Korrespondentin für Südamerika in Buenos Aires

Die Brandbekämpfung im brasilianischen Regenwald wird teilweise vom Amazonas-Fonds finanziert, um den ein heftiger Streit entbrannt ist. Weil unter dem rechtsnationalistischen, brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro der Regenwald verstärkt abgeholzt worden war, hat der Hauptgeldgeber Norwegen seine Mittel eingefroren.

Bolsonaro betrachtet den Regenwald als Ressource. Er will keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet ausweisen und weitere Rodungen zulassen. Angesichts der Brände mutmaßte er, dass Umweltaktivisten die Feuer gelegt hätten, um gegen ihn und seine Regierung Stimmung zu machen. Beweise für seine Theorie legte er nicht vor.

"Bolsonaro tut eigentlich alles, um denjenigen, die den Wald schützen wollen, Steine in den Weg zu legen."
Anne Herrberg, Korrespondentin für Südamerika in Buenos Aires