Die brasilianische Regierung hat im Jahr 2020 2,3 Millionen Euro nur für Kondensmilch ausgegeben. Auch wenn die süße Milch ein beliebtes Lebensmittel in Brasilien dargestellt, ist das schon ziemlich viel Geld für Kondensmilch. Wir klären, was dahinter stecken könnte und warum das Produkt so beliebt ist.
Der wesentliche Unterschied zwischen der brasilianischen Kondensmilch, der Leite Condensado, und unserer Kondensmilch ist: der Zuckeranteil. Um genau zu sein, besteht die Milch aus mindestens 56 Prozent Zucker. Deswegen eignet sich die süße Milch auch sehr gut, um damit Pralinen, Pudding oder cremige Nachtische herzustellen.

Der Präsident Jair Bolsonaro hatte sie sich in seinem Wahlkampf vor drei Jahren in vielen Videos und Fotos sogar aufs Brot geschmiert - ein geschickter Schachzug, denn viele Menschen in Brasilien haben eine innige Verbindung zu dieser Milch. Seitdem ist das sogenannte Hauptmannsbrot unter Bolsanoro-Fans eine echte Spezialität. Der Name kommt daher, weil "Hauptmann" Jair Bolsonaros Rang im Militär darstellt.
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Doch nun scheint es die Regierung mit der süßen Milch etwas übertrieben zu haben, was in der Opposition und der Bevölkerung nicht sehr gut ankam. Das zeigt auch dieser Tweet mit der sinnbildlichen Aussage, dass es zwar kein Geld für Coronahilfen gebe, aber zumindest genug Kondensmilch. In der Tat hätten laut dem brasilianischen Abgeordneten Marcelo Freixo mit dem ausgegebenen Geld 8000 Sauerstoffflaschen für Coronapatienten gekauft werden können.

Süße Milch für das Militär

2,3 Millionen Euro – so viel wie keine Regierung je zuvor hat Brasilien für Leite Condensado ausgegeben. Das entspricht einem Verbrauch von 7200 Dosen pro Tag über ein Jahr lang. Die Menge wurde wohl für alle Ministerien und Regierungseinrichtungen gekauft, 90 Prozent davon gingen aber an das Verteidigungsministerium, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs.

"Die Regierung hat 2,3 Millionen Euro ausgegeben – so viel wie keine Regierung vorher. Das entspricht einem Verbrauch von gut 7.000 Dosen pro Tag."
Grit Eggerichs, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Warum, das ist nicht genau bekannt, weshalb die Opposition bereits einen Untersuchungsausschuss dazu angefordert hat. Möglicherweise ist die Bestellung als PR-Aktion von Jair Bolsonaro gedacht worden. Der Präsident und auch sein Sohn, der ebenfalls Politiker ist, betonen zumindest immer wieder, dass das kalorienhaltige Lebensmittel Menschen dabei helfe, hohen körperlichen Anforderungen zu genügen.

Diese Erklärung und vor allem die Tatsache, dass die Regierung für jede einzelne Dose deutlich mehr gezahlt hat, als das, was Brasilianerinnen und Brasilianer im Supermarkt zahlen, lassen noch einige Fragen offen.