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Surfen! Und das, obwohl die Gesellschaft, die Traditionen oder die Religion es eigentlich verbieten. Dörthe Eickelberg hat Frauen portraitiert, die sich trotzdem in die Wellen stürzen. Ihr Filmteam war in Indien, Südafrika, Gaza, auf Hawaii und in Cornwall unterwegs.

In den Sechzigern und Siebzigern war Surfen noch eine Hippie-Sportart. Heute kann das mehr oder weniger jede und jeder tun. Zumindest gilt das für die westliche Welt.

Gesellschaftliche Normen sehen Surferinnen nicht vor

In anderen Teilen der Welt bedeutet Surfen aber immer noch ein Auflehnen gegen das System oder gegen gesellschaftliche oder religiöse Normen – jedenfalls dann, wenn es sich um Surferinnen handelt.

"Ich mag diesen Moment, auf die Wellen zu warten. Das hat so etwas Verheißungsvolles und auch so etwas Meditatives."
Dörte Eickelberg, Surferin und Regisseurin

Dörte Eickelberg ist arte-Moderatorin und selbst passionierte Surferin. Es gibt ihr ein Gefühl von Freiheit, es ist wie ein Fliegen auf dem Wasser "völlig losgelöst von allem da draußen", erzählt sie im Weltempfänger-Interview. Weil sie nicht die einzige ist, die dieses Gefühl liebt und immer wieder aufs Neue sucht, ist sie mit einem Kamerateam um die Welt gereist – unter anderem nach Indien, Südafrika, Gaza, Hawaii und Cornwall – und hat dort starke Frauen getroffen, die surfen, obwohl das eigentlich für sie nicht vorgesehen ist.

Indien: Surfen gilt als Heiratsbremse für Frauen

Teilweise wird den Mädchen und Frauen das Surfen so erschwert, dass sie dafür zum Teil sogar ihre Familien verlassen müssen. Das war zum Beispiel bei Aneesha so, die Dörte in Indien getroffen hat. Surferinnen sind in der dortigen Kultur ein Politikum, erzählt Dörte Eickelberg: Spätestens, wenn Mädchen ins heiratsfähige Alter kommen, gilt die Sportart für sie nicht mehr als akzeptabel.

"Surfen ist in manchen Kulturen ein richtiges Politikum. Der Spaß hört meistens auf, wenn die Mädchen zur Frau werden und ins heiratsfähige Alter kommen."
Dörte Eickelberg, Surferin und Regisseurin

Durch das Surfen, so die verbreitete Meinung in Indien, verbauen sich junge Frauen die Chancen, einen Bräutigam zu finden, erklärt die Journalistin. Eine Frau, die den ganzen Tag auf dem Wasser mit den Elementen kämpft und dann vielleicht verletzt, blutend und verschrammt zurückkommt, verringere dadurch ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt.

Braungebrannt und mit Schrammen

Das allein reiche oft schon als Argument aus, um Mädchen das Surfen zu verbieten, so Dörte Eickelberg. Dazu kommt: Surferinnen sind oft durch die Sonne braungebrannt, was in Indien ebenfalls eher negativ bewertet werde.

"Wenn Frauen den Raum am Strand und auf dem Wasser erobern, wird das in vielen Kulturen als etwas Feindliches oder Bedrohliches angesehen."
Dörte Eickelberg, Surferin und Regisseurin

In vielen Kulturen werde es "als unschön erachtet", wenn eine Frau im öffentlichen Leben zu viel Platz einnimmt. Und Surferinnen nehmen ja wortwörtlich Platz ein: Sie gehen raus an den Strand und surfen vor den Augen aller dort versammelten Menschen.

Wie die Surferinnen mit diesem Druck umgehen und was Dörte Eickelberg sonst noch bei den Dreharbeiten erlebt hat, erfahrt ihr, wenn ihr euch das ganze Audio anhört.

Über ihre Erlebnisse mit den Surferinnen hat Dörte Eickelberg die fünfteilige Doku-Serie "Chicks on Boards" gedreht (erschienen im April 2018). Ihr Buch "Die nächste Welle ist für dich: Wie ich von surfenden Frauen aus aller Welt lernte, was es heißt, frei und stark zu sein" erscheint Mitte Juni 2021.