Radiohead, James Blake und Beyoncé. Sie alle haben gemeinsam, dass sie innerhalb von drei Wochen ein Album rausgebracht haben, ohne das vorher anzukündigen. Sind Surprise Releases die neue Taktik der Musikindustrie?

Das Phänomen, über Nacht ein Album rauszubringen, ist zwar nicht völlig neu, aber es ist schon auffällig, dass es in letzter Zeit immer mehr Künstler machen. Solche Übernacht-Veröffentlichungen funktionieren allerdings nicht bei allen, sondern echt nur bei den ganz großen. Radiohead haben ihren ganzen Webauftritt gelöscht, mit der Folge, dass die Fans spekuliert haben, was wohl passieren wird - bei einer unbekannten Band würde es wahrscheinlich keiner merken.

"Alles ist heutzutage ein Event. Das ist eigentlich nur dieser Aufmerksamkeits-Kultur geschuldet."
Christof Ellinghaus vom Label City-Slang über Surprise Releases

Christof Ellinghaus vom Label City-Slang analysiert, dass Überraschungs-Veröffentlichungen einen Event-Charakter haben. Dadurch ist schnell ein fetter Hype aufgebaut, und nach außen hin wirken die Veröffentlichungen wahnsinnig spontan. Sind sie aber nicht. Alles ist minutiös geplant. Beyoncé zum Beispiel ist nicht zufällig beim Superbowl mit neuer Single aufgetreten. Und Radiohead haben Monate vorher immer mal wieder kryptisch rausgehauen, dass "etwas passieren könnte...".

Eigentlich ändert sich nichts

Für uns Musikhörer ändert die Art und Weise, wie ein Album veröffentlicht wird, allerdings nicht viel. Wenn es raus ist, hören wir es. Problematisch ist dieser neue Trend allenfalls für Printmagazine, die das neue Album nicht mehr pünktlich in die gedruckte Ausgabe bekommen. Da haben die meisten Magazine inzwischen aber auch einen ganz guten Web-Auftritt. Das heißt: Auch für sie ist dieser Trend verkraftbar.