In ein paar Tagen ist es soweit: Dann wird Joe Biden der 46. Präsident der USA. Aber welche Aufgaben hat eigentlich so eine Präsidentin oder ein Präsident? Und welche Entscheidungen würdet ihr in dieser Rolle treffen? Im PC-Spiel "Suzerain" von Torpor Games könnt ihr es ausprobieren.

Im PC-Game Suzerain können wir uns zur 4. Präsidentin oder zum 4. Präsidenten des fiktiven Landes Sordland vereidigen lassen.

"You are the president. Lead the country into ruin or repair. Will you honor your election promises? The country’s future depends on your choices!"
Ausschnitt aus dem Game "Suzerain"

Das Spiel ist eine Mischung aus Text-Adventure und Wirtschaftssimulation, sagt Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt. Es geht vor allem darum, wichtige Entscheidungen zu treffen. Diese beginnen bereits mit der Biografie unseres zukünftigen Präsidenten – bevor wir nämlich Präsident werden, bauen wir unsere eigene Hintergrundgeschichte zusammen:

Stammen wir aus einer reichen, einer armen oder einer Mittelklasse-Familie? Was haben wir studiert? Gehören wir der kommunistischen oder der nationalistischen Jugendbewegung an? Was haben wir als Soldat erlebt? Sind wir eher wegen Karriere, Macht oder den Gestaltungsmöglichkeiten unserer Partei beigetreten? Anhand solcher kurzen Fragen entscheiden wir über ungefähr 40 Jahre Vorgeschichte. Heraus kommt am Ende unser frischgebackener Präsident Anton Rayne.

Entscheidungen treffen

Ob wir ein striktes Programm ausgearbeitet haben und befolgen oder eher erst Mal alles auf uns zukommen lassen, liegt ganz bei uns: Wir müssen selbst unsere Schwerpunkte setzen für Wirtschaft, Sicherheit, Bildung oder Gesundheit. Am Anfang ist das noch ein ziemlicher Freiflug, sagt Jana Reinhardt.

"Zum Zeitpunkt, an dem ich schon die ersten Entscheidungen treffe, habe ich noch keine Ahnung von diesem Sordland, das ich da mal regieren werde."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Nach einem Bürgerkrieg, einem Militärputsch und einigen autokratischen Herrschern liegt zu Beginn unserer Präsidentschaft in Sordland so ziemlich alles am Boden: die Wirtschaft, die Infrastruktur, die Schulen. Es gibt Anschläge und Krawalle zwischen den Nationalisten und den Kommunisten.

Ein Land am Abgrund

Und als wäre das nicht schon genug, droht uns im Norden die Monarchie Rumburg mit der Annektierung. Und im Westen kommt es zu einer starken Fluchtbewegung von Menschen aus dem wesentlich ärmeren Nachbarland Wehlen. Dazu kommen noch die vielen Alten im Parlament, die "Old Guard", die dem letzten autoritären Führer nachtrauern und am liebsten gar nichts ändern würden. Es gibt also richtig viel zu tun für uns!

"Ich hab unter den Bedingungen eigentlich keine Lust mehr, Präsident zu sein – aber irgendwer muss es ja machen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Der Präsident von Sordland hat genau zwei Aufgaben: Einmal sammelt er Infos – schließlich muss er ja wissen, wie die Stimmung im Land ist. Dafür klicken wir zum Beispiel auf die Hauptstadt Holsord und lesen uns aktuelle Zeitungsmeldungen durch. Die unterscheiden sich natürlich nach eher linken, rechten oder eher auf die Wirtschaft fokussierten Zeitungen.

Der zweite Job sind die Briefings mit unseren Ministern und die Geschäftsessen mit Wirtschaftsvertretern oder unserer Familie. Unsere Haltungen und Antworten in all diesen Gesprächen verändern in "Suzerain" alles: Am Ende haben wir vieles (aber nicht alles) selbst in der Hand: Sind wir eher der Typ "El Presidente" und verordnen Sordland die Planwirtschaft? Willigen wir ein, dem Medienmogul zu helfen, wenn der uns dafür in der Presse besser aussehen lässt? Respektieren wir unseren neuen Chauffeur? Fragen wir unsere Minister nach ihrer Expertise oder sind die nur Dekoration? Das alles liegt an uns.

Interactive Fiction: Mitbestimmung oder Illusion?

Die Frage bei solchen Text-Adventures beziehungsweise "Interactive Fictions" lautet: Ist das wirkliche Mitbestimmung oder nur Illusion? Die Gefahr besteht, sagt unsere Game-Expertin, dass die Geschichte entweder nur so vor sich hinplätschert oder ein beliebiges, inkonsistentes Quatschabenteuer wird, in dem nichts wirklich zusammenpasst, weil ich zufällig irgendwas entscheiden kann.

Oder aber, um den Aufwand gering zu halten, den zu viele unterschiedliche Entscheidungspfade auslösen würden: Dem Spielenden werden vor allem oder sogar ausschließlich extreme Entscheidungen vorgegeben.

"Die Gefahr kann sein: Entweder seid ihr Jesus oder Hitler."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Torpor Games aus Berlin will genau diese Extreme aber vermeiden: "Wir haben gesagt, wir müssen es besser machen", sagt Ata Sergey Nowak, der Managing Director von Torpor Games, der auch als Autor für das Spiel mitverantwortlich ist. "Wir müssen sicher gehen, dass die Spieler sich in verschiedenen, politischen Ideologien und verschiedenen moralischen Perspektiven zeigen und Entscheidungen treffen können. Das ist das Wichtigste von allem."

Um die 450 wichtigen Entscheidungen müssen die Spielenden treffen, so Ata Sergey Nowak. In "Suzerain" gibt es ganz viele Parallelgeschichten, die sich nicht unbedingt gegenseitig beeinflussen, aber doch unterschiedlich ausfallen können: über unsere Familie, die gereizten Nachbarländer, die Konstitution, die Wirtschaft. Dadurch können wir viele Entscheidungen treffen, die die Geschichte verändern, aber daraus dann trotzdem eine schlüssige Handlung entsteht. Für das junge Berliner Studio sei all das "eine Riesen-Challenge" gewesen, sagt der Managing Director. Denn "Suzerain" ist ihr allererstes Spiel.