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Sylvie ist nachts alleine auf dem Nachhauseweg, als sie ein Mann erst anstarrt und schließlich verfolgt und bedrängt. Sie erzählt, warum sie das Erlebnis nicht vergessen kann – obwohl ihr Schlimmeres erspart geblieben ist.

"Ich erinnere mich noch an diesen einen Abend. Es war Frühling und das erste Mal im Jahr, dass ich vom Wind keinen Schauer bekam. Ich stand allein am Bahnsteig, als die Laternen um mich herum ansprangen. Ich sog die Luft ein. Das Studentenwohnheim der Freundin, mit der ich bis gerade eben gelernt hatte, war noch zu sehen, die Fenster reihten sich wie die Zellen einer riesigen Bienenwabe aneinander. Gerade, als ich meinen Kopf in den Nacken legen wollte, um die Anzeigetafel über mir zu lesen, bemerkte ich etwas in meinem Augenwinkel, das mich innehalten ließ. Jemanden, der mich innehalten ließ. Ein paar Meter weiter stand ein Mann im Halbschatten des Abends und starrte mich an."

Was das Erlebnis in der Bahn mit Sylvie gemacht hat

Mit diesen Worten beginnt ein Instagram-Post von Sylvie über ein Erlebnis an einem Bahnsteig in Hamburg, das sie bis heute nicht vergessen kann. Als sie auf den Zug wartet, starrt sie ein Mann, der am gegenüberliegenden Gleis wartet, an. Ihr ist das unangenehm, erinnert sich Sylvie: "Das war ein Gefühl, das, glaube ich, jede Frau genauso kennt." Richtig Angst bekommt die junge Frau erst, als der Unbekannte nicht in seinen, sondern in ihren Zug einsteigt. Dort setzt er sich auf einen ihr gegenüberliegenden Platz und starrt sie weiter an.

"Er hat mir nichts getan. Aber für mich ist eine ganze Menge passiert."
Sylvie über das Erlebnis in der Bahn

Sylvie ist das so unangenehm, dass sie am nächsten Bahnhof aussteigt. Doch der Mann folgt ihr und bedrängt sie. Sie flüchtet zurück in den Zug, der Unbekannte bleibt zurück und schaut ihr hinterher. Wenn sie heute davon erzählt, dann fühlt sie sich in die Situation zurückversetzt und hat wieder diese Angst, sagt sie. Denn auch wenn der Mann sie phyisch nicht verletzt hat – die Angst ist noch sehr präsent.

"Das war ziemlich drastisch für mich, weil es so spürbar war und ich das Gefühl hatte, dass ich mit halbem Fuß in einer ausgewachsenen Katastrophe stand."
Sylvie über die Nacht im Zug

Inzwischen haben viele Frauen ähnliche Geschichten auf Sylvies Instagramprofil geteilt. Eine nicht repräsentative Umfrage des Kinderhilfswerks Plan bestätigt, dass viele Menschen Angst und Unwohlsein verspüren, wenn sie nachts alleine unterwegs sind. Als häufigsten Grund für ein Unsicherheitsgefühl nennen Frauen in dieser Befragung – ähnlich wie im Fall von Sylvie – angsteinflößende Personen, auf Platz zwei landet schlechte Beleuchtung und an dritter Stelle das Gefühl, von Hilfe abgeschnitten zu sein.

Hier bekommt ihr Hilfe:

Betroffene in Deutschland können sich unter der Nummer 08000 116 016 an das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" wenden. Dort gibt es rund um die Uhr anonyme und kostenfreie Beratung.

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