In ihrem Kopf sieht es aus wie auf einem Gemälde von Wassily Kandinski, sagt Julia Schmitz: Wörter, Buchstaben, Musik und Geräusche sieht sie als Farben.

Welche Farben Julia Schmitz sieht, kann sie nicht beeinflussen. Aber bei ihr ist immer der erste Buchstabe eines Wortes entscheidend. Er strahlt über das ganze Wort. Bei "Sonntag" sieht Julia das "S" schwarz, das ganze Wort nimmt sie grau wahr.

"Bei mir im Kopf ist es bunt. Es sieht aus wie auf einem Gemälde von Wassily Kandinsky."

Julia Schmitz ist Journalistin. Mit sechs ist ihr aufgefallen, dass nicht alle Menschen Farben sehen, wenn sie Wörter hören. Ihre Mutter und ihre Schwester konnten es nicht. Ihr Vater schon. Synästhesie ist teilweise genetisch bedingt. 

Sinnesvermischung

Wenn sie sich mit jemandem unterhält, sieht Julia Schmitz keine Farben. Das geht zu schnell. Aber Julia sieht die Buchstaben. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von Synästhesie. Manche Menschen  können Wörter riechen. Das ist bei Julia nicht so stark ausgeprägt. Sie kann aber Geräusche als Farbe sehen.

"Die anderen Wochentage sind unheimlich bunt, der Samstag und Sonntag sind beide grau", sagt die Kulturjournalistin. Obwohl das doch eigentlich schöne Tage sind. "Ich weiß nicht wieso, das macht mein Kopf so. Es ist aber für mich ein schöner Tag und eine schöne Farbe - das Grau stört mich nicht", sagt sie. 

Der Wochentag an sich hat für Julia auch eine Form. Ihr "Sonntag" ist zum Beispiel ein graues Quadrat in dem in schwarzen Buchstaben "Sonntag" drin steht.

"Ich sehe unser Gespräch - das läuft wie ein Newsticker durchs Bild. Das nennt sich Ticker-Tape-Synästhesie."

Unser Moderator Sebastian Sonntag hat ebenfalls synästhetische Fähigkeiten. Er sieht den "Sonntag" gelb und den Samstag tief orange-rot. Synästhesie ist bei jedem anders ausgeprägt. Dabei sind "Farben hören" und "Formen sehen" die häufigsten Varianten. Aber auch Geräusche sieht Julia als Farben. Wenn eine Autotüre zuschlägt, "dann hat das so etwas Blitzartiges", sagt sie.

"Die Bezeichnung Synästhetiker mag ich lieber als Synie - weil noch Ästhetik mit drin steckt."