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Sie ist in eines der höchsten Ämter der evangelischen Kirche in Deutschland gewählt worden: Anna-Nicole Heinrich ist die neue Präses der Synode. Sie will das Amt unter anderem dafür nutzen, wieder mehr über ein bestimmtes Thema zu reden.

"Wir müssen wieder mutiger sein", sagt Anna-Nicole Heinrich. "Und artikulieren: Wo bewegt uns Glaube im Alltag?" Im Mai ist die Studentin aus Regensburg zur neuen Präses der evangelischen Kirche in Deutschland gewählt worden. Die Präses ist die Vorsitzende der Synode, die wiederum eines der wichtigsten Kirchen-Gremien darstellt. Die Synode kümmert sich unter anderem um die Kirchengesetze und den Haushalt. "Die Erwartung ist: Diese junge Frau steht für Aufbruch", sagt Anna-Nicole Heinrich.

"Ich werde nicht nur eine Präses für die Jungen sein, aber durch Sprache, Handeln oder wie ich einen Witz mache, ein paar Kultursachen durchbrechen."
Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode

Die jüngste Präses der Geschichte

Als Heinrich zum ersten Mal darauf angesprochen wurde, ob sie es sich vorstellen könnte, die neue Präses zu sein, hat sie eher zögerlich reagiert: "Zu Schapps-Ideen kurz vor Mitternacht äußere ich mich nicht." Doch die Idee ging nicht weg und wurde wieder vorgelegt, kurz vor der Wahl, und Heinrich ließ sich überzeugen. "Wenn die Gesamtgruppe, zu der ich gehöre, sagt 'Das ist am dienlichsten, wenn du das machst' – dann ist das meine Motivation!" Sie wurde gewählt und ist mit 25 Jahren die jüngste Präses der Geschichte.

"Gott ist immer da, aber er schickt keine Lesebestätigung."
Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode

Dabei sind die Herausforderungen groß. Die Aufarbeitung der Fälle von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche stockt zum Beispiel zurzeit immens. Im Mai wurde die Arbeit des Betroffenenbeirats ausgesetzt. Der Beirat vertritt die Opfer, doch die Zusammenarbeit mit der Kirche funktionierte offenbar nicht wirklich. "Gerade bei dieser Thematik ist es für mich glaubwürdig zu sehen, wie hilflos wir als Institution sind, damit umzugehen", sagt Heinrich. Nun sollen externe Berater dabei helfen, den Prozess wieder in Gang zu bringen.

"Glaube wird für mich oft in den stillen Momenten spürbar, wenn niemand mehr da ist."
Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode

Außerdem sinken die Mitgliederzahlen seit Jahren. Aktuell ist etwa jede*r vierte*r Deutsche noch evangelisch. "Das sind immer noch sehr viele Menschen", sagt Heinrich. "Ich glaube, dass wir einen Umbau der Kirche so gestalten können, dass unsere Botschaft nicht an Wirkkraft verliert", sagt Heinrich. Um genau das zu erreichen, möchte sie die Themen ihrer Generation mit einbringen und auch öffentlich wieder mehr über Glauben sprechen. "Der Glaube und die christliche Gemeinschaft sind für mich eine Absturzsicherung", sagt die neue Präses.

Im Deep Talk spricht sie mit Sven Preger über ihr neues Amt, den Umbau der Kirche und Gott.