Seit sieben Jahren herrscht Krieg in Syrien. Das wird sich so schnell nicht ändern - unabhängig davon, ob der Westen mit einem Militärschlag auf den Giftgas-Einsatz reagiert.

Dieser Beitrag ist am 13.04. - vor dem Angriff auf Syrien durch die USA, Frankreich und Großbritannien - entstanden.

Nach der mutmaßlichen Giftgasattacke durch Syrien denken die USA und Frankreich über einen Militärschlag nach, zum Beispiel gegen eine Militärstation oder einen Luftstützpunkt. Die Journalistin Kristin Helberg, die Jahre lang in Syrien gelebt hat, sagt: "Ein Militärschlag wird nichts ändern."

"Assad wird erstmal an der Macht bleiben."
Kristin Helberg, Journalistin

Denn egal ob Militärschlag oder nicht: Präsident Assad hat den Krieg kurzfristig gewonnen, sagt Helberg. Zudem wisse er, dass er militärisch von Russland und Iran unterstützt wird. Nach ihrer Einschätzung hat Assad zusammen mit seinen Unterstützern die Kraft, das gesamte Staatsgebiet zurückzuerobern und somit den Krieg wenigstens nicht zu verlieren. "Assad wird erst mal an der Macht bleiben."

Für Assad sei die Fortsetzung des Krieges zudem wichtig für den weiteren Machterhalt. "Er kann sich damit als Retter vor dem Terror, als Übervater der Nation präsentieren", sagt Helberg.

"Was passiert mit Präsident Assad, wenn keine Bomben mehr fallen? Dann könnte es irgendwann gefährlich für ihn werden."
Kristin Helberg, Journalistin

Assad braucht den Krieg, sagt Kristin Helberg, um seine Macht zu sichern. Denn ohne Krieg müsste er zeigen, die Verhältnisse für die Menschen in Syrien verbessern zu können. "Das kann er aber aus eigener Kraft nicht schaffen. Er braucht Unterstützung aus dem Westen, also Geld."

Russland und Iran können und wollen den Aufbau nicht alleine bezahlen, auch deshalb sei Putin daran interessiert, eine politische Lösung zumindest als Option zu behalten. Er könnte irgendwann den Westen bitten, beim Wiederaufbau zu helfen. "Dann könnte Assad ein Hindernis werden, sodass Putin ihn fallen lassen könnte", sagt Helberg.

"Es gibt keinen Staat, es gibt nur das Regime"
Kristin Helberg, Journalistin

Einen richtigen Staat gibt es nach Ansicht von Kristin Helberg in Syrien nicht mehr. Die Ministerien, Behörden, Ämter - alles diene dem Machterhalt des Regimes. "Es gibt gar keinen Staat, es gibt nur das Regime. Und dementsprechend gibt es auch keine Bürger, sondern Untertanen." Und wer als illoyal gilt, wird bekämpft oder getötet.