16 anti-militante Aktivisten haben sich zum Netzwerk "Raqqa Is Being Slaughtered Silently" zusammengetan. Unter Einsatz ihres Lebens verbreiten sie Bilder, Videos und Informationen aus der syrischen Stadt Rakka und dokumentieren die Veränderungen seit der Machtübernahme des IS.

Eine ausführliche Reportage zur Arbeit der Aktivisten von "Raqqa Is Being Slaughtered Silently" hört ihr am Freitag, 28.11.2014 ab 18:15 Uhr in der Sendung Einhundert.

Sie arbeiten verdeckt und befinden sich permanent in großer Gefahr. Aber sie wollen berichten. Zeigen, wie es aussieht im syrischen Rakka, seit die Kämpfer des IS die Stadt gewaltsam eingenommen haben. Sie machen Fotos und Videos und laden diese heimlich ins Netz hoch, um sie über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter Journalisten zur Verfügung stellen zu können.

Lebensgefährliche Berichterstattung

Unter "Raqqa Is Being Slaughtered Silently" berichten sie so von den Entwicklungen in Rakka und dokumentieren die Ereignisse. Einer der RIBSS-Aktivisten ist Abu Ward Al-Rakkawi. Er war Student, bevor der IS Rakka eingenommen hat. Abu Ward ist Anfang 20. DRadio-Wissen-Netzreporterin Martina Schulte ist es gelungen, Abu Ward via Skype in Rakka zu erreichen.

Abu Ward weiß, dass die Kämpfer des IS nach ihm suchen. Er und die anderen Aktivisten verstecken sich in einem Haus. Seit April sind sie aktiv. Was sie ins Netz stellen sind Alltagsbilder: Menschenschlangen vor Suppenküchen und Bäckereien zum Beispiel. Aber auch ziemlich grausame Szenen - die zum Alltag in Rakka zählen: Dazu gehören Kinder, die mit den abgetrennten Köpfen von Exekutierten Fußball spielen.

"Am Anfang hatte ich Angst solche Aufnahmen zu machen. Ich finde sowas natürlich schrecklich. Aber es ist mittlerweile Alltag für mich. Nicht nur für mich. Die Kinder hier in Rakka spielen mit den Köpfen der Exekutierten Fußball."

IS: Gefährlicher Arbeitgeber - aber der einzige

Wenn Abu Ward in Rakka unterwegs ist, kann er manchmal kaum glauben, dass er sich in einer arabischen Stadt befindet. Die IS-Kämpfer kommen aus aller Welt, auch aus Deutschland. Wer fliehen kann, flieht aus Rakka. Aber dafür braucht man Geld. Deshalb müssen viele arme Menschen in Rakka bleiben. Viele schicken ein Familienmitglied zum IS, einfach um in Sicherheit zu sein.

"Sie geben ihnen die besten Häuser und viel Geld, Geld für die Frau, Geld für die Kinder, sie bekommen Benzin für ihre Autos und Öl, mit dem sie ihre Häuser heizen können."

Der IS nutzt die Armut der Bevölkerung aus. Die jungen Kämpfer sind nur selten überzeugte Anhänger des IS. Zudem sind sie meist schlecht ausgebildet und dienen in der Schlacht mehr als Kanonenfutter - viele von ihnen sterben. Auch Abu Ward hat Angst, dass er irgendwann mit dem Leben dafür bezahlen muss, dass er sich mit dem IS anlegt. Manchmal ist er fast sicher, dass sie ihn früher oder später erwischen werden. Aber fliehen will er nicht:

"Nein, ich ziehe es vor hier in Rakka zu sterben."