T-Mobile USA will zukünftig Videostreams nicht mehr auf das verbrauchte Datenvolumen anrechnen. Das sorgt auf der einen Seite für Jubelgeschrei - andere sprechen von einem Sündenfall in Sachen Netzneutralität.

Bislang hat man bei praktisch allen Mobilfunktarifen - auch bei den angeblichen Flats - nur ein bestimmtes Datenvolumen pro Monat zur Verfügung. Danach wird das Tempo gedrosselt oder man muss wieder neu bezahlen. Videostreams anschauen ohne WLAN geht nicht, schon ein einziger Spielfilm verbraucht locker das Monats-Datenbudget. Damit soll jetzt Schluss sein, sagt T-Mobile in den USA.

"Bei den Kunden von T-Mobile in den USA dürfte das für Jubelgeschrei sorgen: Filme schauen ohne WLAN wird eine realistische Option."
Michael Gessat, DRadio-Wissen-Netzreporter

Das neue Angebot mit dem Namen "Binge On" soll ab Sonntag starten und wird zunächst das Stream-Angebot von 24 Partnern umfassen, darunter so große Namen wie Netflix, Hulu, ESPN, HBO Now und SlingTV. Es werden also erst mal nicht alle Videostreams ohne Volumen-Limit durchgelassen, sondern nur die bestimmter Kooperationspartner.

Keine HD-Streams

Außerdem sind die Videos auch nur in einer etwas beschränkten Auflösung zu sehen, in 480p. Das ist zwar keine HD-Qualität, aber für Mobildisplays gar nicht so schlecht. Man kann die Filme natürlich auch in HD abrufen – das wird aber dann wie bisher aufs Datenbudget angerechnet.

Problem: Netzneutralität

Dass das Angebot zunächst mal nur für bestimmte Kooperationspartner angeboten wird, sorgt für mächtig Wirbel. T-Mobile-Chef John Legere hat bei der Präsentation gesagt, das Angebot verstoße nicht gegen die Netzneutralität. Formal ist das auch richtig, weil das Angebot gratis ist. Kritische Stimmen, etwa bei "The Verge", sehen das aber völlig anders.

"T-Mobile sagt, das Angebot schließe keinen Stream-Anbieter aus."
Michael Gessat

Theoretisch könne ja jeder Kooperationspartner werden, solange er den Stream halt in einem bestimmten Format zur Verfügung stelle. Ob auch Anbieter von Pornofilm-Streams "Binge On"-Kooperationspartner werden könnten, wurde Legere bei der Vorstellung gefragt. Die Antwort war ausweichend: Der Dienst sei grundsätzlich für alle "legalen Angebote" verfügbar.

Dass die Mobilfunknetze zukünftig unter der Datenlast von Videostreams zusammenbrechen, scheint T-Mobile nicht zu befürchten: Zum einen begrenzt ja die 480p-Auflösung das Datenvolumen, zum anderen sind die technische Infrastruktur und die Kapazitäten offenbar mittlerweile hinreichend robust.

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