Kunstpelz an der Jacke und mit gutem Gewissen durch den Winter? Schön wär's. Im flauschigen Kragen ist nicht immer drin, was draufsteht. Oder es wird so seltsam formuliert, dass niemand mehr durchblickt.

Ein fetter Pelzkragen an der Kapuze? Schön warm, schön weich. Aber dafür einem Tier das Fell über die Ohren ziehen? Lieber nicht. Das ist aber erst mal kein Problem, denn die Jacke hat ja ein Etikett, auf dem alles drauf steht: "100 Prozent Polyamid“ zum Beispiel. Also alles bestens, könnte man denken – ist aber nicht so, denn viele Kleidungshersteller lassen auf den Etiketten die (wichtige) Information, dass Echtpelz verwendet wurde, ganz einfach weg.

Das Hauptproblem: Mangelnde Kontrollen der Gewerbeaufsicht, also der Behörde, die solche Vorschriften prüft, erklärt unsere Reporterin Grit Eggerichs. Der Deutsche Tierschutzbund und der Tierschutzverein Vier Pfoten machen seit drei Jahren im Herbst eigene Kontrollen. Das heißt, sie gehen in die Läden, kaufen die Klamotten und geben sie ins Labor. Dort werden dann die Inhaltsstoffe analysiert. Diese Stichproben haben ergeben, dass jedes zweite geprüfte Kleidungsstück Fell von Tieren angenäht hat, ohne dass es im Etikett steht, so Gritt. Und manchmal steht es zwar auf dem Etikett – allerdings in kryptischen Beschreibungen, mit denen die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher nur wenig anzufangen wissen dürften.

"Auf den Etiketten werden wohlklingende Namen verwendet, die dem Konsumenten rein gar nichts über das Produkt sagen."
Thomas Pietsch, Wildtierexperte vom Tierschutzverein "Vier Pfoten“

Die günstigsten kleinen Echtpelze, die man auf dem Weltmarkt kriegen kann, stammen vom Marderhund, sagt Grit. Ein Großteil der echten Kragen an Jacken stammt von diesem Tier: Er sieht aus wie ein kleiner Waschbär, gehört aber zur Familie der Hunde. Wenn nun "Marderhund“ im Etikett steht, dann liest sich das nicht gut. Also denken sich die Hersteller die seltsamsten Synonyme aus für "Marderhund“ und andere Tiere denen das Fell über die Ohren gezogen wurde, erklärt Thomas Pietsch, Wildtierexperte vom Tierschutzverein Vier Pfoten. Von der "Chinchillette" als Umschreibung für das Kaninchen bis zum "Finnraccoon" für den Marderhund scheinen der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt worden zu sein.

Und das sagt das Gesetz…

Die europäische Textilkennzeichnungsverordnung schreibt vor, dass Kleidungsstücke, in denen tierische Materialien verarbeitet wurden, mit einem Hinweis auf dem Etikett versehen werden müssen. Und der lautet: "Enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs". Thomas Pietsch findet das völlig ungenügend. Denn aus dem Satz wird man nicht schlau darüber, was genau verarbeitet wurde: Tierhaar, aber wenn ja, von welchem Tier? Sind Leder oder Daunen verarbeitet worden? Es könnten natürlich auch Knöpfe aus Hirschhorn sein.

Darüber hinaus gilt die Verordnung nur für Artikel, die zu mindestens 80 Prozent aus Textilfasern bestehen. Eine Jacke, die nur zu 30 Prozent aus echtem Pelz besteht, muss nach EU-Recht nicht gekennzeichnet werden, so Thomas Pietsch. Hinzu kommt, dass Verstöße gegen diese Regelung nicht geahndet werden.

Und das, obwohl die meisten echten Felle immer noch aus Farmhaltungen kommen. Dort werden zum Beispiel Marderhunde in Käfigen gehalten und das nur, um ihnen schnellstmöglich das Fell abzuziehen. Das Fleisch wird zu Tierfutter verarbeitet oder verbrannt. Oft wird den Tieren das Fell noch bei Bewusstsein abgezogen, erklärt Grit.

Die nachhaltige Alternative für tierliebe Modefans

Es gibt inzwischen viele Marken, die ganz auf Kunstpelze verzichten. Und einige haben in Technologien investiert, die Erdöl sparen bei der Kunstpelzherstellung und überhaupt umweltfreundlicher produzieren.

Wer ganz auf Nummer sichergehen will: Bei unklaren Produktbeschreibungen einfach komplett auf vermeintlichen Fake-Fur verzichten.