Am 3. Oktober feiern wir die Wiedervereinigung Deutschlands. Doch wie geeint ist das Land? Ist heute bei den ganzen Ost-West-Debatten ein Tag zum Feiern? Der Autor Hendrik Bolz vergleicht den Feiertag mit einer Paartherapie.

Deutschlandfahnen, Luftballons, Feuerwerk: In der Nacht auf den 3. Oktober 1990 wurde in Berlin ausgelassen gefeiert (unser Bild). Die DDR trat der Bundesrepublik Deutschland bei. Nicht einmal ein Jahr nach dem Mauerfall vom 9. November 1989 war die autoritäre Diktatur damit Geschichte.

Doch wie ist die Lage heute, 36 Jahre später? Noch immer sollen Ost-West-Debatten das Land erklären – vor allem nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Der 3. Oktober: ein Tag zum Feiern?

Wichtig sei, dass wir immer wieder miteinander ins Gespräch kommen und unterschiedliche Erfahrungen ernst nehmen, sagt der Autor Hendrik Bolz. In seinen Büchern "Nullerjahre" und "Aus Ruinen" befasst er sich auch mit seiner eigenen Geschichte im Ostdeutschland der frühen 2000er.

Sein Bild für den Feiertag: eine Art "Paartherapie" – nicht, weil Ost und West dasselbe erlebt hätten, sondern weil auch nach so vielen Jahren noch ein regelmäßiger Austausch helfen kann, einander besser zu verstehen und gemeinsam nach vorne zu schauen.

Hendrik Bolz: Einigen Westdeutschen fehlt immer noch das Verständnis für die Unzufriedenheit von Ostdeutschen

Gerade in der Popkultur sei Deutschland schon länger vereint, sagt Hendrik Bolz. Er ist auch als Rapper Testo bekannt und war Teil des Hip-Hop-Duos Zugezogen Maskulin. In der Musik gebe es viele gute Beispiele, wo Künstler aus dem Osten Erfolge feiern, sagt er.

Was immer noch ein Problem sei: Dass sich einige Westdeutsche weiterhin schwer damit tun, zu verstehen, wieso die Unzufriedenheit in Teilen des Ostens so groß ist. Oft würde diese Unzufriedenheit als "Ost-Problem" dargestellt. Dabei werde vergessen, dass dort einfach gesellschaftliche Milieus zu Hause sind, die von Aufschwung und Wiedervereinigung deutlich weniger profitieren konnten als viele Menschen in Westdeutschland, sagt Hendrik Bolz. Hier wünscht er sich mehr Verständnis.

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