Hat ein Mensch mit Brille weniger als 30 Prozent Sehkraft, gilt er als sehbehindert. Sind es weniger als fünf Prozent Sehkraft, gilt er als blind. Auf die Bedürfnisse dieser Menschen will der heutige Sehbehindertentag aufmerksam machen. Rund eine Million Sehbehinderte gibt es laut WHO in Deutschland.

Renardo Schlegelmilch
"Für mich ist das eher eine Unannhemlichkeit als eine Behinderung."

Einer davon ist Renardo Schlegelmilch (Mitte 20), der als Radiojournalist in Köln arbeitet. Sein linkes Auge erreicht knapp 15 Prozent Sehkraft, rechts hat er ein Glasauge: Fettgedruckte Texte in Arial, Schriftgröße 24, kann Renardo gut lesen. Und am Computer zu arbeiten, sei heutzutage sowieso kein Problem mehr - dafür gebe es Vergrößerungsprogramme, erklärt Renardo. Diese Programme, die früher noch recht aufwendig und teuer waren, seien mittlerweile in Computer-Betriebssystemen meist standardmäßig implementiert.

Auch Smartphone-Vergrößerungs-Apps helfen Renardo im Alltag. Wenn er zum Beispiel die Anzeigentafeln im Öffentlichen Nahverkehr nicht entziffern kann, weil sie zu weit oben hängen, dann ruft er sich den Fahrplan auf seinem Smartphone auf.

Filme hörbar machen

Dafür, dass Renardo auch Fernsehen gucken kann, sorgen Leute wie Olaf Koop. Er ist Hörfilmautor. Olaf Koop macht Fernsehen hörbar, zum Beispiel den Tatort. In Schaum oder Haase hat er uns erklärt, worauf es dabei ankommt: Immer einen blinden Kollegen im Team haben, kurz und prägnant beschreiben, möglichst passend zum Film-Genre texten und Szenenwechsel oder entscheidende Handlungen hörbar machen. Fünf bis sechs Tage sitzen Olaf Koop und seine Kollegen an einem 90 Minuten langen Film. Besonders kniffelig sind Science-Fiction-Filme und Tierdokumentationen.

Olaf Koop, Hörfilmautor
"Science-Fiction-Filme sind sehr schwierig, weil man Dinge beschreibt, die es in der realen Welt nicht gibt - wo man also auf kein Vorwissen zurückgreifen kann."