Taiwan gilt als das liberalste asiatische Land. Das Verfassungsgericht des Landes möchte die homosexuelle Ehe per Gesetz legalisieren. Erfolgt die Gesetzesänderung nicht binnen zweier Jahre, gilt die gleichgeschlechtliche Ehe automatisch als legal. 

Homosexualität gilt heutzutage in Taiwan als relativ normal, sagt der Sinologe Jens Damm. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften waren in der Republik zwar noch nie verboten, aber auch nicht immer gesellschaftlich geduldet. Aufgrund seiner Geschichte hat Taiwan eine Sonderstellung in der asiatischen Welt. 

In den letzten zwanzig Jahren hat sich das Land hinsichtlich der gleichgeschlichtlichen Partnerschaft weiterentwickelt, sagt der Asienforscher. Aber schon im 17. Jahrhundert gab es eine Bezeichnung für Menschen, die in einer homosexeullen Beziehung leben.

"Der Gedanke, dass man heute als Schwuler, als Lesbe oder als Transgender offen leben kann, das war vor zwanzig Jahren sicherlich nicht der Fall."
Jens Damm, Sinologe

Taiwan ist durch einen "Verfassungspatriotismus" geprägt: Die Menschen sind stolz darauf, dass Taiwan das "freie Land" in Asien ist, sagt, Sinologe Jens Damm. Homosexuelle können in Taiwan offen dazu stehen, dass sie schwul oder lesbisch sind. Allerdings vermeiden sie das Thema in Alltagsgesprächen.

In Umfragen wird Homosexualität von der taiwanesischen Gesellschaft positiv bewertet. In den nächsten zwei Jahren soll die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert werden.  Das könnte auch insgesamt dazu führen, dass Homosexuelle und Transgender von der Gesellschaft besser akzeptiert werden. Erfolgt die vom Verfassungsgericht geforderte Gesetzesänderung nicht innerhalb dieser Zeit, wird die Ehe von Homosexuellen automatisch legalisiert. 

"Diese Entscheidung hat erst mal den Befürwortern der gleichgeschlechtlichen Ehe einen großen Aufschwung gegeben."
Jens Damm, Sinologe