Weil sie aus Nichtakademiker- oder Migrantenfamilien kommen, fällt es den Begabten schwer, ein Hochschulstudium aufzunehmen. Starthilfe bietet der Scout.

Suat Yilmaz ist der erste Talentscout, der für die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen 2011 begabte Schülerinnen und Schülern angeworben hat, die in weniger privilegierten Verhältnissen aufwachsen. Denn, während 77 Prozent der Akademikerkinder studieren, sind es aus Nichtakademikerfamilien nur 23 Prozent, hat das Deutsche Studentenwerk ermittelt.

Selbstvertrauen stärken

Um das zu ändern hat Nordrhein-Westfalen ein Talentscouting-Programm aufgelegt, an dem sich neben der Hochschule in Gelsenkirchen inzwischen weitere sechs Ruhrgebietshochschulen beteiligen. Doch was muss ein Talentscout drauf haben, um Jugendliche zu einem Studium zu motivieren, die selbst wenig Vertrauen in ihre Stärken haben und trotz guter Noten, sich nicht trauen zu studieren?

"Wir haben in Deutschland seit Beginn der Hochschullandschaft eine hohe soziale Selektion bei den Menschen, die zur Hochschule gehen oder nicht. Das heißt: Herkunft entscheidet über akademische oder nicht akademische Zukunft."
Bernd Kriegesmann, Präsident der der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen

Vor allem müsse der Talentscout den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegnen, sagt Bernd Kriegesmann, Präsident der der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Einerseits zeige sich die Studienfähigkeit anhand des Notendurchschnitts. Sogar Abiturienten, die trotz schwieriger Bedingungen mit der Note 2,5 abschließen, könnten sich oft nicht zu einem Studium entschließen. "Das sind für uns Talente, die üblicherweise in unserem Bildungssystem wegsortiert werden", sagt Bernd Kriegesmann. "Genau diese Menschen suchen wir. Wir warten nicht bis sie kommen, sondern wir wollen genau diese Menschen aufschließen", definiert der Hochschulpräsident das Ziel des Projekts.

"Der Scout sieht, da ist jemand noch nicht perfekt, aber er hat die Anlagen, die Voraussetzungen."
Bernd Kriegesmann, Präsident der der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen

Der Notendurchschnitt allein ist für den Scout kein ausschlaggebendes Argument. In Gesprächen und durch Beobachtungen entwickelt der Scout für die Schülerin oder den Schüler ein Gefühl dafür, ob Talente oder Potentiale schlummern, die bisher in der Schule noch nicht geweckt wurden.

Eng bei den Schülern

Der Talentscout hält sich für sein Projekt in den Schulen auf und begleitet die Schüler mindestens ein Jahr bis anderthalb Jahre. Der Scout fragt dabei nicht nach den Defiziten, sondern versucht die Stärken der Jugendlichen zu entdecken.

"Wir nehmen die jungen Menschen ernst."
Bernd Kriegesmann, Präsident der der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen

Für das Talentscouting-Projekt des NRW-Wissenschaftsministeriums werden noch 30 Talentscouts gesucht. Eine der Voraussetzungen, die ein Talentscout mitbringen muss, sagt Bernd Kriegesmann, ist die richtige Haltung gegenüber den Jugendlichen. Dazu gehören gute Kenntnisse über das Schul- und Hochschulsystem, aber auch die Bereitschaft in ungewöhnliche oder auch unvorhersehbare Situationen zu gehen.

Mehr über das Talentscouting-Projekt: