• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Die Taliban in Afghanistan durchsuchen das Internet nach kritischen Stimmen. Sie verhandeln über WhatsApp-Gruppen. Und sie nutzen aktiv Social Media für ihre Propaganda. Dennoch könnte es sein, dass sie das Internet abschalten.

Bislang läuft die Internetnutzung in Afghanistan ohne Einschränkungen. Die Taliban nutzen Social Media und das Netz für ihre Zwecke. Dass sie das Internet abschalten könnten, klingt deshalb zunächst unlogisch.

Dennoch könnte genau das passieren. Omid Nouripour, der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, berichtete im Parlament, dass die Taliban Rundfunkmasten und Funkmasten abbauen. "Man muss eigentlich die Uhr danach stellen, wann kein Internet mehr da ist", so der Politiker. Er glaubt, dass die Taliban mit dem Schritt verhindern wollen, dass die "grausamen Bilder" ihrer Herrschaft aus dem Land strömen.

Die Taliban und die Kontrolle des Internets

Die Taliban könnten punktuell das Internet abschalten oder einschränken. Zum Beispiel, indem sie den Zugang für einzelne Gruppen, wie kritischen Nichtregierungsorganisationen oder Medien, sperren. Darüber berichtete das Online-Portal Politico. Bei der Eroberung des Landes setzten sie immer wieder auf Kommunikationssperren, so unser Netzreporter Andreas Noll. Zwischenzeitlich legten die Taliban in vielen Provinzen stundenweise das Handynetz lahm.

Aber wie die Taliban künftig das Netz genau einschränken und regeln wollen, ist noch unklar. Eine Zensurarchitektur, wie China sie aufbaut, wird die Taliban überfordern, sagt Andreas Noll. Außerdem gibt es mittlerweile auch Tools zur Zensurumgehung. Hinzu kommen Apps, die auch ganz ohne Internet zumindest für eine verschlüsselte Kommunikation per SMS sorgen.

"Eine ausgeklügelte Zensurinfrastruktur aufzubauen, wie zum Beispiel in China, dürfte die Taliban finanziell und technisch auf lange Zeit überfordern."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Auch die Tech-Unternehmen aus den USA sind gefordert, auf die Machtübernahme in Kabul zu reagieren. Noch Mitte August kündigte zum Beispiel Facebook an, die offiziellen WhatsApp-Gruppen und -Accounts der Taliban zu sperren. Das berichtete unter anderem T-Online. Facebook machte deutlich, das sei keine politische Maßnahme. Das Unternehmen folge offiziellen US-Sanktionen.

In Afghanistan ist WhatsApp für die Gesellschaft ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Ebenso ist der Messenger bei den Taliban beliebt. "Ein beträchtlicher Teil der aktuellen Verhandlungen zwischen dem deutschen Außenministerium und den Taliban läuft offenbar über WhatsApp", sagt Andreas Noll.

Digitale Spuren werden zur Gefahr

Zugleich haben die Tech-Firmen für die Userinnen und User in Afghanistan besondere Sicherheitsfunktionen eingeführt. Zum Beispiel lassen sich zurzeit die Freundeslisten afghanischer Accounts auf Facebook nicht einsehen.

Denn solche Listen, ebenso Posts und auch Tweets können für Userinnen und User zur tödlichen Gefahr werden. Die Taliban durchforsten das Netz. Sie wollen wissen, wer gegen sie ist und auch, wer mit westlichen Kräften zusammengearbeitet hat. Doch digitale Spuren gut und sinnvoll zu löschen, ist nicht einfach. Darüber berichtete unter anderem Deutschlandfunk Kultur.