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Die Taliban nutzen Whatsapp, Facebook, Twitter und Youtube. Nach US-Regeln dürften sie das gar nicht. Ihnen den Zugang komplett zu unterbinden, ist für die Betreiber aber schwierig.

Weil die wichtigsten sozialen Medien weitgehend aus den USA gesteuert werden, gelten die US-Gesetze – und damit Sanktionen gegen die Taliban. Taliban-Propaganda dürfte es bei Whatsapp, Twitter und Facebook deshalb eigentlich gar nicht geben. Sie gibt es aber.

Twitter-Account mit 350.000 Followern

Die Taliban nutzen für ihre PR-Zwecke auch die sozialen Medien. Laut der Zeitung Washington Post informieren sie die Zivilbevölkerung über Whatsapp, etwa darüber, dass sie die Kontrolle über Kabul übernommen hätten. Pressesprecher der Taliban stehen auch mit westlichen Journalistinnen und Journalisten per Whatsapp in Kontakt.

Die Zeitung New York Times hatte vor zwei Jahren darüber berichtet, dass die Taliban Whatsapp auch für die Organisation der Angriffe und Anschläge nutzen würden. Denn die App sei leicht zu bedienen – auch für kaum gebildete Kämpfer.

Beliebt bei den Taliban ist auch Twitter. Der einflussreiche Sprecher der Taliban aus dem Führungszirkel der Organisation hat einen Twitter-Account mit mehr als 350.000 Followern. Der Account ist zwar nicht verifiziert, doch es scheint klar zu sein, dass Suhail Shaheen tatsächlich den Account betreibt.

"Von der Durchsetzung des Verbots moderner Kommunikationsmittel aus der Anfangszeit der Taliban kann heute keine Rede mehr sein kann", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

Facebook: Eigene Afghanistan-Experten, die Inhalte überwachen

Internationale Medien wie CNN und BBC haben Anfragen an die Betreiber der Plattformen geschickt, also Facebook, Google und Twitter. Diese betonen, dass sie sich an die US-Sanktionen halten wollen.

Youtube zum Beispiel sagt, dass man Accounts sofort schließe, wenn klar sei, dass sie von Taliban oder ihren Unterstützern in Afghanistan betrieben würden. Facebook hat ein entsprechendes Vorgehen ebenfalls bestätigt. Man stufe die Taliban als Terrororganisation ein. Der Konzern verfüge auch über Afghanistan-Experten, die die Inhalte überwachen und gegebenenfalls löschen.

"Die Tatsache, dass ein Taliban-Sprecher seinen Account weitgehend unbehelligt betreiben kann, zeigt, dass es hier einen großen Interpretationsraum gibt."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Facebook-Accounts der Taliban zu finden, ist noch relativ einfach möglich. Bei Whatsapp ist es schwieriger, denn die Chats sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Whatsapp kann also nur aufgrund des Profilbildes und öffentliche Profilinformationen entscheiden, ob es sich um einen Taliban-Account handelt oder nicht.

Auch Twitter löscht nach eigenen Angaben Inhalte, die kritisch sind und eindeutig von Taliban stammen. Ein Sprecher sagt, Twitter würde in Afghanistan aber auch von Menschen genutzt wird, um Hilfe zu organisieren. "Die Tatsache, dass ein Taliban-Sprecher seinen Account weitgehend unbehelligt führen kann, zeigt aber auch, dass es hier doch großen Interpretationsraum gibt", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

Ein Dilemma

Das Dilemma dürfte nicht kleiner werden. Andreas' Einschätzung: Wenn die Taliban Regierungsverantwortung haben und und relevante Informationen für die Bürger des Landes und die Weltbevölkerung via Twitter verbreiten, dann wäre es fragwürdig, wenn man diesen Infokanal für die Öffentlichkeit schließen würde.