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In einer Tankstelle wird ein Mitarbeiter erschossen, weil er das Tragen einer Maske einfordert - ein extremer Einzelfall, der aber auf etwas hinweist: Auf das generell erhöhte Sicherheitsrisiko in Tankstellen für die Mitarbeitenden.

Ein junger Mann weist einen Kunden in einer Tankstelle zweimal auf die Maskenpflicht hin – und wird erschossen.

Zwar ist das ein extremer Fall von Gewalt in Tankstellen, doch generell arbeiten Menschen in Tankstellen unter einem erhöhten Sicherheitsrisiko, sagt Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband TIV.

Einige Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht

Tankstellen werden immer wieder Zielorte von Überfällen, auch wenn die Zahl in den letzten Jahren abgenommen hat. Oft arbeiten die Angestellten alleine und nachts, was höhere Sicherheitsvorkehrungen erfordert.

Einige wurden bereits umgesetzt, sagt Herbert Rabl: So wurden viele Kassensysteme erneuert, so dass die Kasse das Geld schluckt und die Beschäftigten die Lade im Falle eines Überfalls gar nicht öffnen können.

"Die Tankstellen, die nach 22 Uhr offen haben, sind oft besser geschützt, denn da sitzen die Tankwarte hinter Panzerglas."
Herbert Rabl, Tankstellen-Interessenverband

Tankstellen, die nach 22 Uhr offen haben, sind oft besser geschützt. Denn dann sitzen Beschäftigte oftmals schon hinter Panzerglas. Dafür setzen sich viele Betreiber bereits ein, berichtet Herbert Rabl.

Doch vor 22 Uhr muss der Verkaufsraum der Tankstelle geöffnet sein. Denn die meisten Tankstellen leben nicht vom Sprit, sondern generieren die Mehrheit ihrer Einnahmen über die Shops. Das bedeutet aber auch, dass Mitarbeitende dann weniger geschützt sind.

Schulungsprogramme von Pächterinnen und Prächtern abhängig

Tatsächlich kommt es gerade an Tankstellen oft zu aggressiven Situationen. Wie in einer solchen Situation zu handeln ist, lernen Beschäftigte nur, wenn ihr Pächter sich eigens um ein Schulungsprogramm bemüht.

Denn die Gesellschaften, denen die Tankstellen gehören, überlassen die Verantwortung für diese Programme oft ihnen, sagt Herbert Rabl. Viele der Pächterinnen seien zwar bemüht, doch dafür gebe es wenig Geld, sagt Herbert Rabl.

"Das System Tankstelle ist unsäglich. Hier trifft ein vergleichsweise hohes Risiko auf ungewöhnliche Arbeitszeiten und einen niedrigen Lohn."
Herbert Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes

Viele der Beschäftigten sind trotz des erhöhten Risikos und der geringen Entlohnung auf einen Job an der Tankstelle angewiesen. Weil es sich um keinen Lehrberuf handelt, nutzen ihn vor allem junge Menschen, die einen Aushilfsjob benötigen, aber auch viele Frauen, wie etwa alleinerziehende Mütter, die ein zweites oder drittes Einkommen generieren müssen, sagt Herbert Rabl.

"Viele sorgen schon für Automaten und die Sicherheitsvorkehrungen nach 22 Uhr sind bereits relativ hoch. Das Risikofeld liegt zwischen 18 und 22 Uhr."
Herbert Rabl, Tankstellen-Interessenverband

Viele Tankstellen haben für die Zeit nach 22 Uhr bereits Automaten aufgestellt. Doch das Risiko liegt vor allem in den vier Stunden davor.

Herbert Rabl: Ein Restrisiko bleibt immer bestehen, weil Beschäftigte an der Tankstelle in Kontakt mit so vielen verschiedenen Menschen treten müssen.