Supermarkt, Discounter oder Tante Emma: Auf je einen Laden in Deutschland kommen im Schnitt rund 2.000 Menschen. Vor 50 Jahren gab es für die gleiche Zahl an Menschen noch fünf Läden. Vor allem auf dem Land fehlt es heute an Einkaufsmöglichkeiten – und die, die es gibt, sind oft weit weg oder früh geschlossen.

Mal eben noch ein Feierabend-Bier oder ein schnelles Abendessen besorgen – auf dem Land ist das oft nicht drin. Es fehlt an Einkaufsmöglichkeiten. Deswegen wird seit Jahren am Wiederbelebungsversuch der Tante-Emma-Läden gearbeitet.

Selbstbedienung für längere Öffnungszeiten

Der Trick: Selbstbedienung soll für längere Öffnungszeiten sorgen. Mehrere Bundesländer sind dabei, solche Konzepte für das Land zu erarbeiten. Im Dorf Altengottern in Thüringen hat bereits ein 24/7 Tante-Emma-Laden eröffnet, in Sachsen-Anhalt wird zu Modernisierungen von Dorfläden geforscht. In Baden-Württemberg gibt es auch schon eine kleine Kette. Das Konzept: Geöffnet von 5 bis 23 Uhr, Selbstbedienung, relativ großes Sortiment.

"Jahrelang gab es im Dorf Winzerhausen noch nicht einmal einen Bäcker. Jetzt kann man sieben Tage die Woche einkaufen – alles mit Selbstbedienung."
Katharina Thoms, Deutschlandfunk Nova

Der kleine Laden heißt Tante M. Er erinnert zum einen an einen modernen Supermarkt: die Türen öffnen automatisch, drinnen steht alles dicht an dicht, eine Supermarktkette liefert Teile des Sortiments. Zum anderen bleibt er aber auch ein Dorfladen: Der regionale Bäcker liefert jeden Tag frische Brötchen, der Gemüsehändler aus der Gegend bringt die Tomaten und Gurken vom Acker.

Bereits fünf Läden in einem Jahr

Geschäftsführer Christian Maresch eröffnete zuerst eine Filiale in seinem Heimatort und ein Jahr später waren es bereits fünf weitere. Das liegt an der großen Nachfrage, denn das Bedürfnis nach besseren Einkaufsmöglichkeiten ist groß.

Bei Tante M scheint zu funktionieren, was sonst ein Minusgeschäft ist. Das liegt vor allem an den Öffnungszeiten und daran, dass kein Personal nötig ist.

Tante M Laden in WInzerhausen
© Christian Maresch
Großes Sortiment und lange Öffnungszeiten: Tante M erfüllt ein großes Bedürfnis auf dem Land

Es gibt nur Aushilfen, die die Regale auffüllen. Um die Filialen vor Diebstahl zu schützen, gibt es Videoüberwachung. Wenig Kosten, aber guter Umsatz: 250 Euro Minimum am Tag. Die Preise liegen nur etwas über dem normalen Supermarktniveau.

Vertrauen ist wichtig

Dieses Konzept erfordert aber auch: ein großes Vertrauen in die Kundschaft. Denn die müssen ihren Einkauf an Selbstbedienungskassen einscannen und selbst bezahlen. Diebstahl gibt es zwar auch, aber nicht mehr als in einem normalen Supermarkt, sagt Christian Maresch. Das funktioniere aber auch, weil sich das Dorf gegenseitig kontrolliert.

Deswegen findet Christian Maresch: Tante M ist nichts für die Stadt. Das Konzept ist auf das Landleben ausgelegt.

"Uns geht es auch darum, dass sich die Menschen vor Ort mit dem Laden identifizieren können. Wir wollen testen, ob sie dazu bereit sind, etwas dafür zu tun, dass es wieder eine Nahversorgung vor Ort gibt."
Christian Maresch, Geschäftsführer von Tante M

Inzwischen bekommt Maresch viele Anfragen. Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie erhalte er mindestens zwei bis drei Standort-Anfragen pro Woche.

Platz gibt es jedenfalls genug in den Dörfern. Maresch mietet leere Bäckereien oder aufgegebene Bankfilialen von der Gemeinde. Bis Februar sollen sechs weitere Läden eröffnen. Das sei aber erst der Anfang – er rechne in den nächsten zwei Jahren mit mindestens 30 bis 40 weiteren Tante M-Läden.