Fingertraining steigert den Kusseffekt, das haben Neuroinformatiker der Universitäten Bochum und Lyon herausgefunden. Fingerübungen erhöhen nicht nur die Tastschärfe, sondern auch die Empfindsamkeit von Wange und Lippe.

Neuroinformatiker der Universitäten Bochum und Lyon haben herausgefunden, dass ein Training der Finger auch die Empfindsamkeit von Wangen und Lippen verbessert. Das heißt: Mehr Fingerspitzengefühl sorgt für mehr Gefühl im Gesicht; Lippen und Wangen werden empfindsamer.

Entscheidend ist die Nähe der Hirnareale

Für die Studie trugen die Testpersonen drei Stunden lang einen Handschuh, mit dem die Spitze ihres rechten Zeigefingers mit Vibrationen behandelt wurde. Anschließend wurde überprüft, ob dieser Finger empfindsamer ist. Und das war er.

Doch das eigentlich Interessante war: Die Tastschärfe, also die Empfindsamkeit der Haut, hatte sich nicht nur an der Spitze des rechten Zeigefingers verbessert, sondern auch an den Lippen und auf der rechten Wange. Denn im Hirn sind der Bereich, der für die Fingerspitzen zuständig ist, und das Areal für Lippen und Wangen Nachbarn. Eine Besonderheit. Denn üblicherweise sind im Hirn jene Areale benachbart, deren Bereiche auch am Körper nahe beieinander liegen.

"So eine Stimulierung könnte zum Beispiel bei der Behandlung von Hirnschädigungen eingesetzt werden."
Anna Beerlink

Ähnliche Ergebnisse gab es bei anderen Tests mit Menschen, denen eine Hand amputiert wurde. Die Hirnregion, die nach der Amputation keine Sinneseindrücke der Hand mehr empfängt, bekommt Input aus benachbarten Arealen. Nach und nach übernimmt das "arbeitslose" Areal Aufgaben seiner Nachbarn. Auch hier führt die Nähe von Hirnarealen zu einer Art Austausch und Stimulation.

Die aktuelle Studie jedoch zeigt, dass solch ein Transfer auch ohne Verletzungen, ausschließlich durch Stimulierung, möglich ist.

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