Bisher war es ganz einfach: Farbe in die Nadel, Haut frei machen und loskritzeln. Keine Genehmigung, keine Ausbildung - jeder darf sich Tätowierer nennen. Die Tattoo-Szene nervt das. In Berlin hat deshalb eine Tattoo-Schule eröffnet.

Wer schon mal ein Tattoo gestochen bekommen hat, das eher verschandelt als die Haut ziert, hat sich sicherlich gewünscht, der Tätowierer hätte vorher eine Ausbildung gemacht. Seit 2016 will die Tattoo-Schule in Berlin-Spandau genau das verhindern, und bildet Laien in dem Handwerk aus.

Auf Kunsthaut tätowieren üben

Deutschlandfunk Nova-Reporterin Dörte Fiedler hat den neun Schülern - Anfang 20 und tätowiert - über die Schulter geschaut, wie sie versuchen schwarze Linien auf Kunsthaut zu stechen. Die Schüler haben sich zuvor mit einer künstlerischen Mappe beworben, so wie es an Kunsthochschulen üblich ist.

Ricardo do Valle ist gebürtiger Brasilianer, er hat die Europäische Schule für Tattoo und Piercing (ESTP) eröffnet, ist Schulleiter und unterrichtet das Fach Tätowieren. Sein Schüler Bartek hätte es ohne seine Hilfe nicht geschafft.

"Erst habe ich versucht, das selber zu lernen, das hat aber nicht so gut geklappt. Vor der Ausbildung habe ich ein paar Tattoos gestochen und ja, der Unterschied ist auf jeden Fall deutlich zu sehen." ​

Die Ausbildung dauert acht Monate. Das scheint nicht besonders lange, denn schließlich dauern Berufsauslbildungen in der Regel zwei bis drei Jahre. Dörte ist überzeugt, dass die Absolventen am Ende der Ausbildung mehr wissen als ein sogenannter Scratcher - jemand, der einfach auf dem WG-Sofa auf die Haut kritzelt. Die "Scratcher" bringen mit ihrer schlechten Qualität die Tattoo-Szene in Verruf. Gordon Lickfett, Mitglied beim Bundesverband Tattoo, glaubt, dass Anfänger am besten beim "Lehrmeister" die Tattookunst lernen.

"Wenn einer Tätowierer werden möchte, dann sollte er wirklich ganz unten anfangen. Er sollte tausend Arbeitsplätze aufgebaut haben die hygienisch einwandfrei gestaltet sind bevor er selbst überhaupt ne Maschine in die Hand nehmen darf."

Drei Jahren sollte die Ausbildung dauern, meint Gordon Lickfett. Das ESTP dagegen wirbt damit, "das erste und einzige europaweit anerkannte Bildungsinstitut für Tätowierung und Piercing in Deutschland" zu sein. Tatsächlich existieren aber keine einheitlich anerkannten Regelungen. Jeder kann sich Tätowierer nennen. Und jede Schule kann sich Bildungsinstitut nennen.