Die Landestierschutzbeauftragte von Berlin will, dass Behörden Tauben als Haustiere akzeptieren und sich stärker um sie kümmern. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes erklärt, was dahinter steckt.

Die Stadttaube macht Dreck, ist laut und ist nicht sonderlich beliebt. Städte suchen deshalb schon lange nach Möglichkeiten, wie sie am besten mit den Tieren umgehen – und verbieten beispielsweise das Füttern. Doch es scheint auch Taubenfans zu geben, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes. "Die Landestierschutzbeauftragte in Berlin hat einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht. Sie will Stadttauben als Haustiere einstufen", sagt er.

"Dadurch, dass sie von Felsentauben abstammen, wollen sie gerne an Gebäuden brüten, zum Beispiel in Nischen. Was natürlich auch problematisch ist."
Kathrin Herrmann, Landestierschutzbeauftragte in Berlin über Stadttauben

Die Landestierschutzbeauftragte Kathrin Herrmann begründet ihre Forderung damit, dass die Stadttauben von Tauben abstammen, die der Mensch gezüchtet und somit zu Haustieren, etwa als Brieftauben, gemacht habe. Weil die Tiere bis heute nicht wieder verwildert seien, sehe man an vielen Stellen, dass sie nicht richtig mit dem Leben in der Stadt klarkämen. So sei die Suche nach Brutplätzen für Stadttauben sehr schwierig, viele Tiere würden hungern oder seien verletzt.

Durch Taubenschläge lässt sich der Bestand besser kontrollieren

Deshalb fordert die Landestierschutzbeauftragte, dass Städte Orte einrichten, an denen die Tauben versorgt werden können. "Es gibt eigentlich keine andere Möglichkeit, als dass wir betreute Taubenschläge einrichten, an denen die Tiere dann gewöhnt werden, dass sie artgerechtes Futter bekommen", so Herrmann. Gleichzeitig könnte ein Fütterungsverbot rund um die Taubenschläge verhängt werden, damit die Tiere sich wirklich an das Futter in den Taubenschlägen gewöhnen, sagt sie.

Zudem sollten die Tiere in den "betreuten Taubenschlägen" brüten. "Das ist ein Vorteil: Denn man kann dann gezielt einen Teil der Eier durch 'Fake-Eier' austauschen", erklärt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter. "So schlüpfen weniger neue Tauben und man kann den Gesamtbestand in der Stadt besser kontrollieren."

"Ich wäre schon dankbar, wenn wir es schaffen, diese Schläge zu errichten und die laufenden Kosten zu tragen."
Kathrin Herrmann, Landestierschutzbeauftragte in Berlin über "betreute" Taubenschläge

Zwar gibt es in Berlin schon einige solcher Taubenschläge, doch Herrmann fordert mehr davon. Ihrer Ansicht nach müsse das Land nun ordentlich Geld in die Hand nehmen und Menschen müssten sich ehrenamtlich für die Tiere engagieren. "Leider nehme ich an, dass wir es nicht leisten können, dass Berlin alle Leute, die sich um die Tauben kümmern, bezahlt", sagt sie. Für die Landestierschutzbeauftragte wäre es bereits ein Gewinn, wenn die Taubenschläge und laufende Kosten, wie Futter oder Tierarztkosten, bezahlt werden könnten.