Manchmal können Videochats und Telefonate den Arztbesuch ersetzen. Der Kardiologe Erkan Lang weiß, wie Ferndiagnose und Fernbehandlung funktionieren. Die Grenzen kennt er auch.

Videochats sind auch im medizinischen Bereich während der Covid-19-Pandemie wichtiger geworden. Sie können persönliche Begegnungen zwischen Ärzteschaft, Patientinnen und Patienten durch Ferndiagnose vermeiden.

"Grundsätzlich geht es immer darum, dass Ärzte die Symptome erfragen. Ich erhebe die Anamnese. Das geht auch über die Telefonleitung."
Erkan Lang, Kardiologe, arbeitet bei dem Videosprechstundenprogramm Hom-Kit mit

Völlig ersetzen können technische Mittel den direkten Kontakt sicherlich nicht – vor allem nicht bei schweren Erkrankungen. Erkan Lang kennt die Grenzen dieser Art von Kommunikation: "Fernbehandlung bedeutet meistens die Behandlung von Bagatellerkrankungen." Der Kardiologe ist Experte für Videosprechstunden und Telemedizin.

Grenzen der Telemedizin

Er betont, dass Vertrauen seitens Patientinnen und Patienten den erfolgreichen Verlauf einer Fernbehandlung unterstützen können. Bei der Diagnose setzt die Kommunikation über Videochat und Telefon allerdings enge Grenzen. Manchmal gehe es eben nicht ohne Berührung, erklärt Erkan Lang.

"Wenn ich weiterführende Diagnostik brauche, also beispielsweise hat jemand starke Bauchschmerzen, dann muss ich den Bauch untersuchen oder tasten."
Erkan Lang, Kardiologe, arbeitet bei dem Videosprechstundenprogramm Hom-Kit mit

Erkan Lang und weitere Ärzte und Ärztinnen unterstützen ein Programm für Medizinstudierende an der Universität des Saarlandes, bei dem diese lernen, in Videosprechstunden mit Patienten umzugehen, wie sie Ferndiagnosen erstellen und mit den richtigen Fragen an die entscheidenden medizinischen Informationen kommen. Das Programm heißt Hom-Kit. Erkan Lang veröffentlich außerdem regelmäßig im Netz Videos zu Gesundheitsthemen.

Üben mit Schauspielenden

Obwohl eine Fernbehandlung also eher bei leichten Erkrankungen erfolgversprechend ist, üben die angehenden Medizinerinnen und Mediziner im Saarland auch die Diagnose in schweren Fällen und die Übergabe des zu Behandelnden an Notfallmedizinerinnen und Mediziner. Schauspielende helfen ihnen beim Training.

"Die Schauspieler kollabieren und verschwinden aus dem Bildschirm. Aufgabe des Medizinstudenten ist es, den Notruf abzusetzen und solange in der Leitung zu bleiben, bis der Dozent einschreitet."
Erkan Lang, Kardiologe, arbeitet bei dem Videosprechstundenprogramm Hom-Kit mit

Der Kardiologe nennt ein Übungsbeispiel, bei dem die Studierende eine konkrete Erkrankung aus der Ferne diagnostizieren: Pharyngitis. Eine akute Entzündung der Rachenhinterwand lasse sich gegebenenfalls auch im Videochat mit einer gewissen Sicherheit erkennen.

Bei der Diagnose helfe es, wenn Patientinnen und Patienten sich auf eine Videosprechstunde so vorbereiteten wie auf eine Sprechstunde mit persönlicher Anwesenheit in der Praxis auch, sagt Erkan Lang. Der Mediziner weist darauf hin, dass es zwar kein Recht auf medizinische Fernbetreuung gebe. Alle Menschen könnten sich jedoch eine entsprechende Praxis aussuchen.

"Als Patient sollte man sich genauso vorbereiten wie beim Arztbesuch auch. Manchmal erlebt man, dass Patienten sich gar nicht vorbereiten. Das ist immer ein bisschen schade."
Erkan Lang, Kardiologe, arbeitet bei dem Videosprechstundenprogramm Hom-Kit mit