Oriana Corzilius ist 30 und lebt in Brüssel. Ihr Büro befindet sich ganz in der Nähe der U-Bahnstation Maelbeek. Ausgerechnet heute, als in genau dieser U-Bahnstation eine Bombe explodierte und mindestens 20 Menschen starben, ist sie mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren.

Mit der U-Bahn fährt Oriana eigentlich nur zur Arbeit, wenn das Wetter nicht mitspielt. Sonst ist sie immer mit dem Rad unterwegs, erzählt sie im Interview. Heute morgen ist Oriana um kurz vor neun Uhr zur Arbeit gefahren. Da hatte sie schon von den Explosionen am Flughafen gehört. "Als ich das gehört habe, habe ich mit meinem Freund telefoniert und ihm gesagt, dass ich zum Glück mit dem Rad fahre. Metro würde ich jetzt nicht mehr fahren", sagt Oriana.

"Mein Kollege, der es sicher zur Arbeit geschafft hat, war in ein oder zwei Metros vor der, die explodiert ist."
Oriana Corzilius über die Ereignisse in Brüssel

Sirenen und Hubschrauber als Soundkulisse

Wir erreichen Oriana in ihrem Büro im EU-Viertel. Sie erzählt, dass die Stimmung sehr bedrückt ist. Einige Kollegen sind auch gleich zuhause geblieben. Den ganzen Tag über bekam sie Nachrichten von Freunden aus Deutschland, ob es ihr gut geht. Sie war heute viel im Netz unterwegs, hat deutsche, belgische und französische Nachrichtenseiten gelesen. Auch akustisch hat sich der heutige Tag von anderen unterschieden: "Wir haben die Sirenen gehört und die Hubschrauber, das war Begleitmusik."

"Zum Glück sind bei mir alle Kollegen heile angekommen oder zuhause geblieben. Die Stimmung ist sehr bedrückend. Wir versuchen zu arbeiten, was einigen besser und anderen nicht so gut gelingt."
Oriana

Oriana kann nicht nachvollziehen, weshalb die belgischen Sicherheitsbehörden den U-Bahnverkehr nicht direkt nach den Explosionen am Flughafen eingestellt haben. "Hier steht ja überall Militär rum. Da hätte man doch mit einem Auto durch die Straßen können und Lautsprecherdurchsagen machen können 'Bleibt zuhause'. Das haben sie erst gemacht, als in der Metro etwas in die Luft gegangen ist", sagt Oriana.

Der Anschlag kam überraschend

Angst vor einem Anschlag hatte Oriana in den letzten Wochen nicht. Sie erzählt, das Leben sei in Brüssel ganz normal gewesen: Die Restaurants waren geöffnet, die Menschen sind ausgegangen. Noch weniger habe sie damit gerechnet, seit der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam festgenommen worden war.