Der Computerkonzern IBM entwickelt eine Software, die Terroristen identifizieren soll, im Idealfall noch, bevor sie überhaupt als Terroristen in Erscheinung getreten sind. Das Prinzip klingt simpel: Für alle möglichen Daten werden Punkte verteilt, und je mehr Punkte eine Person hat, umso wahrscheinlicher ist sie ein Terrorist.

Im Prinzip funktioniert die IBM-Software wie eine Wirtschaftsauskunftei. Da gibt es verschiedene Parameter, zum Beispiel wie viele Handyverträge ihr laufen habt oder in welcher Gegend ihr wohnt, und danach werden dann Punkte vergeben, die eure Kreditwürdigkeit bestimmen. Nur geht es bei IBM eben nicht darum, ob jemand einen Kredit bekommt, sondern ob er ins Visier der Sicherheitsbehörden gerät.

Die Software hat ermittelt: Du bist ein Risiko!

Die Software, die dahinter steckt, heißt i2 EIA. Sie wertet Daten aus, schafft Verknüpfungen, ermittelt, wer was mit wem zu tun hat. Die Informationen dafür können aus allen möglichen Bereichen stammen:

  • Aktivitäten und Freunde in sozialen Netzwerken
  • Polizeistatistiken
  • Informationen von Geheimdiensten
  • Telefondaten
  • Ortsdaten
  • Informationen aus frei verfügbaren Medien

Daraus ermittelt die Software dann einen Scoringwert, der angibt: Gefährdungspotenzial niedrig, mittel, hoch, sehr hoch. Das kann dann zum Beispiel darüber entscheiden, ob eine verdächtige Person in ein Land einreisen darf oder besonders streng kontrolliert wird.

"Die Einreise-Entscheidung einem Computer zu überlassen, hat etwas sehr Verstörendes: Bei einem automatischen Prozess werden ja immer auch Menschen als Kriminelle oder potenziell Kriminelle eingestuft, die es eigentlich gar nicht sind."
DRadio-Wissen-Reporter Konstantin Zurawski

Bisher ist nicht bekannt, ob i2 EIA schon irgendwo eingesetzt wird. Das Problem der Software ist allerdings offensichtlich: Sie funktioniert besser, wenn sie möglichst viele Daten zu fressen bekommt. "Das heißt, ein Staat, der Sicherheit als hohes oder sogar höchstes Gut verfolgt und diese Software einsetzt, der wird schnell motiviert sein, mehr Daten über die Bürger zu sammeln als bisher", sagt DRadio-Wissen-Reporter Konstantin Zurawski, "und dann sind wir schnell bei dem Dilemma Sicherheit contra Freiheit".