Seit es Smartphones gibt, gibt es ein Phänomen: Wir googeln etwas, statt das Wissen aus unserem Gedächtnis abzurufen. Eine populäre These lautet deshalb, dass wir gar nichts mehr auswendig lernen können. Forschende überprüften in einem Test nun, ob das stimmt.

Forschende der University of London wollten in einem Test herausfinden, inwiefern sich die Smartphonenutzung auf unsere Gedächtnisleistung auswirkt. Demnach wird sie sogar verbessert. Die Forschenden entwickelten eine Gedächtnisaufgabe, die 158 Teilnehmer*innen im Alter zwischen 18 und 71 Jahren auf einem Tablet oder einem Computer machen sollten.

Die Teilnehmenden sollten eine Art digitales Memory spielen. Sie zogen in 16 Durchgängen an einem Touchscreen zwölf Kreise mit Nummern. Diese sollten sie entweder nach links oder rechts verschieben. Wenn sich die Leute anschließend erinnerten, wo welche Zahl war, gab es eine Geldbelohnung.

"Bei der der Gedächtnishilfe auf dem Smartphone haben die Leute sich auf die wertvolle Seite konzentriert und sich anschließend signifikant mehr an diese Zahlen erinnert."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ein zusätzlicher Anreiz, die Aufgabe richtig zu lösen, bestand darin, dass die eine Seite so etwas wie eine Premium-Seite war. Für die dort richtig erinnerten Zahlen gab es zehnmal so viel Belohnung wie für die Zahlen auf der anderen Seite.

Die zweite Regel des Tests lautete: Für acht der sechzehn Durchläufe durften die Teilnehmer sich auf ihrem Handy eine Gedächtnishilfe abspeichern, für die anderen nicht.

Die Teilnehmenden erinnerten sich allerdings auch an die weniger wertvollen Zahlen besser – fast um ein Drittel war die Gedächtnisleistung besser. In dem Test konnten sich die Teilnehmenden schlechter an die wertvollen Zahlen erinnern als an die weniger wertvollen, wenn man ihnen das Handy wegnahm.

These der digitalen Demenz möglicherweise widerlegt

Mit dem – nicht repräsentativen – Versuch ist es den Mitarbeitenden der University of London möglicherweise gelungen, die verbreitete These der digitalen Demenz zu widerlegen.

Dadurch, dass wir uns nicht mehr alles merken müssen, könnten wir uns andere Information wie Passwörter leichter merken und auswendig lernen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

"Das Auslagern von Faktenwissen auf unser Smartphone verbessert unsere Gedächtnisleistung sogar."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dass sich durch die Testergebnisse der britischen Forschenden die These der digitalen Demenz widerlegen lässt, geht aus dem Test nicht eindeutig hervor. Denn: Im wirklichen Leben ist es nicht so einfach zu unterscheiden, was wertvolle Informationen sind und was weniger relevante Informationen sind.