In drei Szenarien haben Forschende untersucht, unter welchen Umständen große Veranstaltungen unter Pandemie-Bedingungen möglicherweise wieder stattfinden könnten.

Mit 1400 statt, wie ursprünglich geplant, 4000 Besuchern war das Tim-Bendzko-Konzert, dass am 22. August 2020 in Leipzig stattgefunden hat, eher ein kleines Musikevent.

Weil es sich bei diesem Konzert allerdings um ein groß angelegten Versuch gehandelt hat, haben auch wir darüber berichtet. Forschende aus Halle haben untersucht, wie stark und schnell sich ein Virus unter verschiedenen Umständen in einer großen Menschenmenge in geschlossenen Räumen ausbreitet. Unter dem Titel Restart 19 sind die Ergebnisse der Studie veröffentlicht worden.

"Die Forschenden haben simuliert, dass von 4000 Zuschauern 24 Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind und dass die auch singen, da ist die Viruslast besonders hoch."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Forschenden haben die Laufwege von Konzertteilnehmenden überwacht und die Ausbreitung von Aerosolen simuliert, um daraus ein Modell zu entwickeln. Ziel des Experiments: Künftig für Großveranstaltungen berechnen zu können, wie hoch das Risiko einer Infektion mit Sars-CoV-2 wäre.

Wie gefährlich ist die Luft in geschlossenen Räumen?

Die Probanden wurden vorab alle getestet, ob sie gesund sind, und mit mit speziellen Armbändern ausgestattet, die sekundengenau gemessen haben, wie lange sie in Kontakt mit anderen Teilnehmenden gekommen sind.

Um Daten vergleichen zu können, haben die Forschenden drei Szenarien durchspielen lassen.

Szenario 1 - alles ist so wie vor der Pandemie

Beim ersten Konzert-Durchlauf war alles so wie vor der Corona-Pandemie: Alle 1400 Versuchsteilnehmer haben sich in der Hall aufgehalten. Weil das sehr wenige waren, haben die Forschenden diese auf eine Zahl von 8000 Konzertgängern hochgerechnet. Für Einlass, Catering oder Toiletten haben keine besonderen Regeln bestanden.

Szenario 2 - jeder zweite Sitzplatz bleibt frei

In der zweiten Versuchsanordnung sollte die Zahl auf 4000 begrenzt sein. Die Teilnehmenden haben wie bei einem Schachbrettmuster in den Stuhlreihen Platz genommen - jeder zweite Sitz wurde freigehalten.

Für Einlass und Catering sind die Teilnehmenden geordnet zugelassen worden, die Personen wurden einzeln durch kleinere Bereiche geführt und jede zweite Toilette war gesperrt.

Szenario 3 - Besucher werden paarweise und mit Abstand gesetzt

Im dritten Durchlauf haben die Teilnehmenden paarweise zusammengesessen. Von Paar zu Paar wurden anderthalb Meter Abstand eingehalten.

Für diesen Durchlauf wären nur 1700 Teilnehmende in der Halle zugelassen gewesen. Dabei sind Einlässe, Catering in Abschnitte unterteilt gewesen und auch jede zweite Toilette war gesperrt.

Studienergebnisse

Beim ersten Szenario mit den angenommenen 8000 Besucherinnen ohne Abstand sind im Schnitt 65 Kontakte pro Teilnehmendem erfolgt, neun davon haben länger als 15 Minuten gedauert.

Dagegen kam es beim dritten Szenario nur zu 20 Kontakten pro Person. Nur mit einer Person hat der Kontakt länger als 15 Minuten gedauert - und zwar mit der Person, die neben einem saß.

Im Vergleich schneidet das dritte Szenario besser ab und könnte sich als Hygiene- und Maßnahmenkonzept für große Veranstaltungen in geschlossenen Räumen eignen. Auf jeden Fall hat das Experiment gezeigt, dass Abstand halten auch dann etwas bringt, wenn sich viele Menschen gemeinsam in einer großen Halle befinden.

"Es ist natürlich für uns schwierig zu erkennen, welche Location eine gute und welche eine schlechte Lüftung hat, aber vermutlich wird das in den nächsten Monaten auch stärker geprüft."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Lüftung besonders wichtig

Fazit der Studie: Veranstaltungen könnten trotz Pandemie stattfinden, allerdings nur mit konsequentem Hygiene-Konzept. Das heißt, weniger Besucherinnen und Besucher, die ausreichend Abstand zueinander halten, dauerhaftes Masketragen und gute Lüftungsanlagen. Die Forschenden empfehlen der Politik, Veranstaltern gute Luftfilter zu finanzieren.