Wer aus Risikogebieten nach Deutschland zurückkehrt, muss einen Coronatest machen. Die Pflicht erscheint nachvollziehbar, denn die Quote der Positiv-Getesteten ist unter Rückkehrern deutlich höher als im Schnitt.

Die Corona-Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten gilt ab dem 7. August. Wer sich weigert, muss mit Bußgeldern rechnen. Gesundheitsminister Jens Spahn sei sich bewusst, dass dies einen Eingriff in die "Freiheit des Einzelnen" bedeute. Dies sei gesamtgesellschaftlich aber vertretbar.

Im Schnitt werden bei Corona-Tests 0,8 Menschen positiv getestet. Bei Rückkehrern aus Risikogebieten ist die Quote höher: Bei etwa hundert Rückkehrerinnen werden zwei bis drei entdeckt, die das Virus in sich tragen. Hochgerechnet auf zehntausende oder hunderttausende Rückkehrende, "wird man eine ganze Reihe Infektionen entdecken und so verhindern, dass diese Menschen weitere Menschen anstecken", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christina Sartori.

"Ich denke schon, dass es sinnvoll ist, Rückkehrer zu testen."
Christina Sartori, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der Test ist für Rückkehrer kostenlos und kann direkt am Flughafen gemacht werden, dafür werden dort extra Testzentren aufgebaut. Alternativ können ihn die Reisenden innerhalb 72 Stunden woanders machen.

Während am Flughafen die Rückkehrer sozusagen abgefangen werden können, ist das bei Bahn- und Autoreisenden schwieriger. "Da bleiben nur Appelle", sagt Theo Geers aus dem Dlf-Hauptstadtstudio, weil die Kontrollen praktisch nicht möglich sind.

Trotzdem: Es besteht eine Pflicht. Alle Reisenden, unabhängig vom Verkehrsmittel, müssen sich testen lassen, wenn sie zuvor in einem Risikogebiet gewesen sind, zum Beispiel beim Gesundheitsamt oder in einer Arztpraxis.

Bußgelder möglich

Wer bei einer Kontrolle auffällt und den Test verweigert, kann einen Bußgeldbescheid erhalten. Bußgelder in dreistelliger Höhe sind im Gespräch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn würde aber in erster Linie an die Einsicht und den Gemeinsinn der Bürger appellieren, sagt Theo Geers aus dem Dlf-Hauptstadtstudio.

Die meisten Reiseländer sind zurzeit keine Risikogebiete

So oder so müssen sich Menschen, die aus Risikogebieten kommen, erstmal in Quarantäne begeben – bis ein negatives Testergebnis vorliegt. Das wird stichprobenartig von den Gesundheitsbehörden überprüft.

Welche Länder, beziehungsweise Regionen, als Risikogebiete eingestuft werden, veröffentlicht das Robert Koch-Institut regelmäßig.

Zurzeit (07.08.) gelten typische Reiseländer wie Italien, Frankreich und Österreich nicht als Risikogebiete – bestimmte Regionen Spaniens und Belgiens dagegen schon.

Theo Geers, Dlf-Hauptstadtstudio
"Sollten die Zahlen noch weiter steigen als sie jetzt schon tun, dann ist wahrscheinlich bald wieder Schluss mit Familienfeiern, Gottesdiensten und ähnlichen Treffen."

Die Zahlen der Neu-Infektionen in Deutschland steigen wieder, wenn auch zurzeit nicht dramatisch. Welche Auswirkungen das haben wird, ist von verschiedenen Bedingungen abhängig, zum Beispiel:

  • Wie zuverlässig können die Gesundheitsämter die Fälle noch nachvollziehen und Infektionsketten unterbrechen? ″Zurzeit schaffen sie es wohl noch″, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christina Sartori. Wenn aber über einen längeren Zeitraum täglich viele Neuinfektionen auftreten, könnten die Ressourcen der Behörden schnell erschöpft sein.
  • Eine wichtige Zahl ist auch die der freien Krankenhausbetten, insbesondere den Intensivbetten. Zurzeit sind viele frei. Doch auch hier gilt: Sollte es in Deutschland wieder ein exponentielles Wachstum der Corona-Infizierten geben, könnten schnell Engpässe entstehen.

Ein exponentielles Wachstum gibt es in Deutschland zurzeit nicht: Im Schnitt stecken Infizierte jeweils etwa einen anderen Menschen an. Das ist anhand der sogenannten Reproduktionszahl ablesbar, die derzeit um 1 liegt. Nur: ″Wenn zu viele Menschen sorglos werden, sich nicht an die Hygieneregeln halten, den Mund-Nasen-Schutz gar nicht oder nur über dem Mund tragen, kann die Reproduktionszahl schnell steigen″ sagt Christina Sartori.

Die meisten Neuinfektionen in Deutschland gibt es derzeit in Familien, bei religiösen Feiern und in Betrieben, in denen die Hygieneregeln nicht eingehalten werden.