Kepa Arrizabalaga, Alisson und Co: Der Transfermarkt für Torwarte im Fußball läuft sich gerade heiß. Sind die Millionenpreise gerechtfertigt? Wir haben einen Experten gefragt.

Kepa Arrizabalaga gilt nun als teuerster Torwart der Welt. Der spanische Nationalkeeper wechselt für rund 79 Millionen Euro von Athletic Bilbao zum FC Chelsea. Das gab der britische Verein auf seiner Homepage bekannt. Damit stellt der 23-Jährige den soeben erst erreichten Rekordpreis von rund 72 Millionen Euro am 19. Juli 2018 für den brasilianischen Torwart Alisson Ramses Becker ein.

Kepa Arrizabalaga unterzeichnete am 8. August einen Siebenjahresvertrag und ersetzt beim FC Chelsea den Belgier Thibaut Courtois. Dieser wechselt für die kommenden sechs Jahre zu Real Madrid.

79 Millionen für Kepa Arrizabalaga

Der Sportjournalist Daniel Memmert nennt zwei Gründe dafür, dass für Torhüter momentan so hohe Summen bezahlt werden:

  • hohe Nachfrage (sehr gute Torhüter sind rar)
  • generell gestiegene Preise auf dem Transfermarkt (auch für Verteidiger, Angriffsspieler)

Außerdem komme hinzu, dass die Zeitfenster für Transfers je nach Land unterschiedlich liegen und ein späteres Nachkaufen von Spielern beispielsweise in England nicht möglich ist. Die Spielerkäufe müssen vor Beginn der Saison am 10. August 2018 abgeschlossen sein.

Diese Regelung ist neu: Im September 2017 hatten sich die Vereine der ersten Fußballiga in Großbritannien entschieden, dass vom ersten Spieltag der laufenden Saison an keine Spielerkäufe mehr möglich sein sollen.

"Es gibt Studien die zeigen, dass Torhüter zu 85 bis 90 Prozent aller ihrer Aktionen mit dem Fuß bestreiten und nicht mit der Hand."

Das Bild vom idealen Torwart hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte radikal verändert. Waren früher kräftige und gelegentlich auch stämmigere Kerle à la Oliver Kahn gefragt, sind es heute grazile, langbeinige Sportler, die in den Toren der Spitzenvereine nach den Bällen greifen. Hauptsächlich gilt das Toreverhindern heute aber als Beinarbeit, sagt Daniel Memmert. Also: sauberes Passspiel, Ballannahme. Damit leisten Spitzenkeeper heute einen wichtigen Beitrag zum Spielaufbau.

Der Torhüter ist heute in der Regel eigentlich ein mitspielender Feldspieler. Das praktizieren Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen mit bestenfalls klarem, präzisem Anspiel.

Weiterhin gefordert sind bei Torhütern:

  • Körpergröße
  • Geschick
  • Wendigkeit
  • kognitive Stärke
  • psychische und emotionale Stabilität

Nicht angemessen - und trotzdem berechtigt

Die Ablöse, die nun für Kepa Arrizabalaga bezahlt wurde, hält Daniel Memmert im Kern für nicht angemessen. In den Rekordsummen spiegelt sich für ihn das  Potential der jungen Spieler und ein bisschen auch das Wunschdenken der Vereine, die sie verpflichten. Aber wenn jemand solche Summen zahlen wolle, seien sie irgendwie auch berechtigt.

"Generell sind die Summen schon aberwitzig. Aber wenn man jemanden findet, der dieses Geld bezahlt, dann hat es irgendwie auch seine Berechtigung."