Das Fairtrade-Siegel nimmt sich nun auch Klamotten vor. Die Idee: der gesamte Produktionsprozess soll fair ablaufen.

Öko, Bio, Organic, Fair - die Labels, die eine gerechte und ökologisch verträgliche Textilproduktion versprechen, sind zahlreich. Etwas unübersichtlich sind ihre Standards: Bezieht es sich nur auf Materialien oder geht es tatsächlich auch um die Behandlung der Näherinnen?

Die gesamte Produktionskette unter der Lupe

Eines der bekanntesten Labels ist das "Fairtrade-Siegel". Das blau-grüne Logo, das wir vor allem von Lebensmitteln kennen, plant ein neues Projekt im Bereich Textil. Bisher führte es nur ein Siegel für fair gehandelte Baumwolle. Nun kommt ein Textilstandard dazu, der die ganze Produktionskette erfassen soll. Also: Woher kommt das Rohmaterial? Wie viel Geld bekommt der einzelne Fabrikarbeiter für seinen Job, und wie sind seine Arbeitsbedingungen?

Viele Unternehmen setzten bisher auf Selbstverpflichtungen. Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh 2013 wurden etwa Brandschutzverordnungen angepasst, es gab Vorstöße, was die Anhebung der Arbeitslöhne betrifft. Einige Unternehmen versprachen die Verwendung schädlicher Chemikalien einzuschränken. Als Greenpeace dies 2015 überprüfte, hatten allerdings nur 16 von 29 Unternehmen ihre Selbstverpflichtung auf Chemieverzicht tatsächlich umgesetzt. Vor allem Luxuslabels schnitten schlecht ab.

Schwierig ist hier ist nicht nur, die tatsächliche Umsetzung der Angaben zu überwachen, sondern auch die Tatsache, dass Kleidung oft aus gemischten Fasern besteht. Mindestens 50 Prozent des Materials muss nachhaltig hergestellt worden sein, damit es eine Chance hat, das Fairtrade-Label zu erhalten.

Was die Arbeitsbedingungen angeht, macht Fairtrade einen recht rigorosen Schritt: Es schließt Länder von vorne herein aus, in denen einige grundsätzliche Standards fehlen oder eingeschränkt sind, etwa die Versammlungsfreiheit der Arbeiter. Dadurch fallen China, Bangladesh oder Katar heraus. Dabei will die Organisation nicht auf Tricks hereinfallen: etwa indem Subunternehmer in anderen Ländern den Großteil der Arbeit vornehmen.

Sechs Jahre Zeit für Fairness

Bis es soweit ist, dauert es allerdings noch eine Weile. Schließlich soll eine eigenständige Zertifizierungsorganisation Unternehmen, die sich um das Siegel bewerben (und dafür bezahlen), komplett durchchecken.

Es soll allerdings auch ein Prozess sein, an dem gemeinsam gearbeitet wird: Mitarbeiter werden geschult, Produktionsprozesse angepasst. Nach sechs Jahren müssen dann faire Löhne und Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion ermöglicht werden.