Im Indiegame Thunderbird Strike zerstört ein Donnervogel mit Blitzen Öl-Pipelines und Raffinerien - und kämpft so gegen Umweltzerstörung. Die Öl-Lobby ist nicht amüsiert.

Indie-Games können eigentlich gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen. Denn nur in seltenen Fällen ist genug Kohle für Werbung da. Die Entwicklerin von "Thunderbird Strike" dürfte allerdings gerade nicht allzu glücklich über die Aufmerksamkeit sein, die ihr wegen ihres Spiels durch die Öl-Lobby zuteil wird... 

In ihrem Graphic Anime fliegt ihr mit einem blauen Donnervogel zweidimensional durch die Welt - also von links nach rechts über den Bildschirm. Am Himmel tobt ein Gewitter. Und wenn ihr da durch fliegt, lädt sich der Donnervogel mit Energie auf. Die könnt ihr nutzen, um zum Beispiel ausgestorbene Tierarten wieder zum Leben zu erwecken. Oder aber, um Dinge mit Blitzen zu zerstören.

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Die Öl-Lobby ist so gar nicht begeistert, denn zerstört werden können alle Dinge, die mit Ölproduktion und dem Bau von Ölpipelines zu tun haben: also große LKW oder Rohre, die in der Gegend rumliegen - oder auch ganze Raffinerien.

"Öko-Terrorismus-Version von Angry Birds"

Die Entwicklerin des Spiels ist Elizabeth LaPensée, sie kommt ursprünglich aus Minnesota. Durch den US-Bundesstaat läuft eine große Öl-Pipeline, die aus Kanada kommt. Und genau entlang dieser Pipeline wird in "Thunderbird Strike" gespielt. Ihr geht es vor allem darum, darauf aufmerksam zu machen, wie Pipeline und Ölindustrie die Umwelt verschmutzen und den Lebensraum der Ureinwohner in Minnesota verändern.

Der republikanische Senator David Osmek findet das Spiel alles andere als gelungen. Er hat es als "Öko-Terrorismus-Version von Angry Birds" bezeichnet und fordert von Elizabeth LaPensée jetzt die 3290 Dollar zurück, die sie als Förderung für das Spiel erhalten hat - vor allem, weil sie inzwischen nicht mehr in Minnesota wohnt.

"Vielleicht kommt es so kurz vor der Wahl nicht so gut an, wenn ein Spiel rauskommt, das die Pipeline kritisiert und sogar noch indirekt durch Minnesota finanziert wurde."
Sebastian Sonntag über die Hintergründe der Kritik

Warum genau sich David Osmek so echauffiert, kann man allerdings nur vermuten. Osmek würde sich gerne 2018 zum Gouverneur wählen lassen. 2018 soll auch über die Vergrößerung der Öl-Pipeline abgestimmt werden, die in dem Spiel Thema ist. Das Spiel wird auch von Toby Mack heftig kritisiert, dem Präsidenten einer wichtigen Öl-Lobby-Organisation, der das Spiel als Aufruf zum Öko-Terrorismus bezeichnet. Da sind sich also zwei Personen ziemlich einig.

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Veruntreuung nur Vorwand?

Die Entwicklerin hat nach diesen Vorwürfen eine Mail an Gouverneur David Osmek geschrieben, um zu erfahren, was denn genau das Problem sei. Die Antwort: So genau könne er das gar nicht sagen, weil er das Spiel selber nicht gespielt habe. Er habe sich Screenshots, Tests und die Website des Spiels angeschaut, um zu seinem Urteil zu kommen.

Wahr ist allerdings, dass Elizabeth LaPensée mittlerweile in Michigan wohnt und eben nicht mehr in Minnesota. Sie versichert aber, einen Großteil des Spiels in Minnesota fertig gestellt zu haben. Außerdem handelt das Spiel ja komplett in Minnesota, und es sind viele Fotos aus der Gegend eingebaut. Die Veruntreuung von Fördergeldern scheint also eher ein vorgeschobener Grund zu sein, um das Spiel loszuwerden. Und was den Vorwurf des Ökoterrorismus angeht:

"Jeder, der behauptet, 'Thunderbird Strike' ruft zum Öko-Terrorismus aus, der muss auch davon ausgehen, dass alle Super-Mario-Spieler zu militanten Schildkröten-Hassern werden."
Sebastian Sonntag zur Frage, ob man vom "Thunderbird Strike" spielen zum Öko-Terroristen wird