Bisher haben Forscher ihn nur dreimal in 27 Jahren vor die Linse bekommen: den Tiefsee-Kraken Haliphron atlanticus. Die neuen Bilder verraten einiges über diese wenig erforschte Art.

Den siebenarmige Oktopus oder Haliphron atlanticus bezeichnen wir als Riesen-Kraken. Das trifft allerdings nur auf die Weibchen zu: Sie werden bis zu vier Meter lang und 75 Kilo schwer. Die Männchen hingegen bleiben relativ klein: Sie werden nur 30 Zentimeter lang. 

Eigentlich hat der siebenarmige Oktopus auch acht Arme: Der Name kommt daher, dass das Männchen einen Spezialarm hat, der eingerollt in einer Tasche unter dem Auge sitzt. Deswegen sieht es auf den ersten Blick so aus, als hätte er nur sieben.

In die Tiefsee vorzudringen, ist nicht so einfach, daher ist diese Tierart bisher wenig erforscht. In 27 Jahren ist es Forschern nur dreimal gelungen diesen Meeresbewohner zu sichten.

Riesenkrake beim Frühstück gefilmt

Erst kürzlich hat die Kamera eines ferngesteuerten U-Bootes Bilder eines weiblichen Kraken einfangen können. Das bemerkenswerte an den Bildern: Der Oktopus der im Video zu sehen ist, hält den Schirm einer erbeuteten Eidotter-Qualle mit seinem Schabel und seinen Armen fest. 

Die Qualle besteht nicht nur hauptsächlich aus Wasser, sondern ist auch mit giftigen Nesselzellen zur Selbstverteidigung ausgestattet. Die Forscher hatten daher nicht angenommen, dass die wenig nahrhafte Qualle als Beute infrage kommt - auch aus diesem Grund waren die Bilder sehr aufschlussreich für Forscher. 

"Die Tentakeln der Qualle waren noch intakt, deswegen vermuten die Forscher, dass die Quallen nicht nur Nahrung sind, sondern dass der Oktopus sie auch benutzt, um sich zu verteidigen oder um Beute zu fangen."
Jenni Rieger, DRadio Wissen

In ihrer Studie stellen die Forscher die These auf, dass die Kraken die nahrhaftesten Teile der Quallen fressen: den Magen und die Geschlechtsorgane. Den Rest, also den Schirm und die Tentakeln, benutzen sie wahrscheinlich zum Jagen oder zur Verteidigung

Auch andere Meeresbewohner ernähren sich von Quallen

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Quallen eine wichtigere Nahrungsquelle sind als bisher angenommen. Da es auch noch andere Arten gibt, die sich von Quallen ernähren: Mondfische und Lederschildkröten zum Beispiel. Das Bemerkenswerte daran: Diese Arten werden relativ groß. 

Spezielle Überlebensstrategie

Die Forscher vermuten dahinter eine Überlebensstrategie: live slow, grow big - lebe langsam, werde groß. Der größten Vorteil an Quallen als Beutetieren sehen sie darin, dass diese nicht sehr schnell schwimmen, also leichter zu fangen sind als zum Beispiel Fische. Der Tiefsee-Oktopus muss daher weniger Energie aufwenden.