Nichts läuft im Netz besser als Bilder von süßen Tierbabys. Der Fotograf und Meeresbiologie Paul Nicklen macht sich unsere Klickinstinke zunutze und versteckt eine Botschaft hinter seinen süßen Motiven: der Klimawandel bedroht diese Tiere.

Ein Bild bei Instagram zeigt ein winziges Sattelrobbenbaby, das auf dem Eis liegt. Im Text ist zu lesen, dass es sich während eines Blizzards hinter einem Stück Packeis versteckt. Die natürliche Reaktion des Betrachters: "Oh, wie süß ist das denn?!“

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Doch der Text geht weiter: "Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel geht immer mehr Eis verloren, und die Sattelrobben verlieren ihre Kinderstube."

"Was denkt dann der gemeine Tierbabyfan? Oh nein, die süße Sattelrobbe darf nicht sterben!"
Martina Schulte, DRadio Wissen

Im Fall der Sattelrobbe lesen wir außerdem, dass bereits 2007 mehr als 70 Prozent der Babys wegen der schlechten Eisbedingungen gestorben sind und dass 2010 fast kein einziges Neugeborenes überlebt hat. Spätestens jetzt will der Betrachter eine Petition unterschereiben.

Der Trick funktioniert

Mittlerweile hat Fotograf Nicklen über 2,6 Mio Follower bei Instagram. Und das nur, weil der Fotograf und Meeresbiologie herausgefunden hat, dass Tierbabys der optimale Köder für sein Anliegen sind. Interessant ist, dass er selbst eigentlich überhaupt kein Fan von Tierbabys ist. Vor einem Jahr brachte ihm das Foto eines schneebedeckten Babypinguins eine Lawine von Likes bei Instagram ein. Nicklen wurde klar, dass solche Bilder ein prima Vehikel für seine eigentliche Botschaft sein könnten.

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Mittlerweile klicken Nicklens Follower nicht nur auf Tierbabys, sondern auch auf die Fotos, die er eigentlich zeigen will und für die sich vorher kein Schwein interessiert hat - Fotos oder Videos, die unmittelbar zeigen, welche Folgen der Klimawandel hat. Zum Beispiel einen Seeotter, der auf einem Strand in Alaska verendet.

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... oder die Leiche eines jungen Eisbären in der Arktis, der verhungert ist, weil es in dem Teil der Arktis kein Eis mehr gibt.

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Auch andere Biologen und Fotografen setzen in den Sozialen Netzwerken auf ähnliche Tricks . Der niederländische Tierfotograf und Naturschützer Jasper Doest hat erst vor kurzem eine Serie toter Störche aufgenommen. Mit solchen Bildern könne er Instagram fluten, sagt er, doch davon hätten die Leute wahrscheinlich schnell genug. Deswegen baut immer Storch-Kitsch-Bilder in seinen Feed ein, damit die Menschen sich erst mal in ein Tier verknallen und sich dann über die Lebensbedingungen empören.

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Dass es anders herum leider nicht gut funktioniert, zeigt das Beispiel eines Fotos von einem toten Hai, der sich in einem Fischernetz verfangen hat. Von der National Geographic wurde das Bild zu einem der 50 wichtigsten Fotos aller Zeiten erklärt. Als Brian Skerry es bei Instagram teilte, erhielt er im Verhältnis zu seiner Followerzahl nur wenig Likes dafür.