In Deutschland gibt es einen riesigen Markt für den Handel mit Wildtieren - auch für weniger exotische Arten wie die Blaumeise und den Buchfink. Der Journalist Bastian Schlange hat verdeckt zu dem Thema recherchiert und sich mit Vogeldieben und Repitilienhändlern getroffen.

Auf der Seite der Repitlienfarm "German Reptile Paradise" lächelt einem eine freundliche Echse in Lederhose entgegen. Angeblich sucht hier ein amerikanischer Geschäftsmann nach deutschen Lurchen, Fröschen und Schlangen - in einem Ausmaß, das in legalen Zuchten nicht zu bekommen ist. Das Ganze ist aber ein Fake: Konstruiert von Bastian Schlange und seinen Kollegen vom gemeinnützigen Recherchezentrum CORRECT!V.

"Wir haben gedacht, wir bauen eine Honigfalle."
Bastian Schlange, Journalist

Auf die gefakte Reptilienfarm reagierten viele Naturschützer mit Protest - aber es meldeten sich auch Händler, die illegal die ganzen Reptilien beschaffen wollen. Hier konnten Schlange und seine Kollegen bei ihrer Recherche ansetzen, trafen sich mit den Händlern und filmten dabei.

Heraus kam: In Deutschland gibt es einen riesigen Markt für den Handel mit Wildtieren, nicht nur für Schlangen, Echsen und Frösche, sondern auch für Vögel, für Buchfinken und Blaumeisen. Die Tiere werden an Halter verkauft, die sich gern ein paar heimische Vögel in der Voliere oder einen Feuersalamander hinter Glas halten wollen.

"Es ist erschreckend, wie gut die Wilderer organisiert sind."
Bastian Schlange, Journalist

In den vergangen Jahren haben Diebe Millionengewinne mit herkömmlichen Wildtieren gemacht, sagt Jörg Lippert vom Landesumweltamt Brandenburg. Einer von ihnen ist Horst D., der 2012 wegen des Handels mit Wildvögeln hochgenommen wurde. Er hatte in fünf Jahren in seinen Geschäftsbüchern 100.000 Euro als Reingewinn verbucht. Im April 2015 wurde er schuldig gesprochen - und bot während der Recherchen von Bastian Schlange trotzdem an, ihm neue Vögel illegal zu beschaffen.

Schwierigkeiten bei der Strafverfolgung

Der Handel mit Wildtieren sei ein "blinder Fleck bei der Justiz", sagt Bastian Schlange. Bundesweit sind rund 400 Kontrollbehörden für den Artenschutz zuständig. Die Behörden sind aber nicht eng vernetzt, und die Mitarbeiter sind oft fachlich nicht geschult und stehen den Wilddieben hilflos gegenüber. In Nordrhein-Westfalen hat immerhin das Umweltministerium nach den Recherchen von CORRECT!V Ermittlungen gegen den Vogeldieb aufgenommen.

  • Die Tierdiebe | CORECT!V-Recherche von Bastian Schlange zu Wildtierdieben in Deutschland