Maulwurf, Turteltaube, Mauerassel und Zauneidechse: Sie alle sind Tiere des Jahres 2020. Manche von ihnen sind weniger interessant, andere dagegen sehr.

Inzwischen tragen unzählige verschiedene Arten den Titel Tier des Jahres. Viele verschiedene Organisationen wählen jeweils ein Tier, das in ihren Zuständigkeitsbereich gehört. In Deutschland hat damit wohl in den frühen 1970er-Jahren der Naturschutzbund angefangen. Seitdem wählt er den Vogel des Jahres . Die Deutsche Wildtierstiftung wählt das Wildtier des Jahres, die Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde den Lurch des Jahres und der Deutsche Angelfischerverband den Fisch des Jahres.

"Es wird sogar ein Einzeller des Jahres gewählt, und zwar von der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie."

Die entsprechenden Organisationen wählen Tierarten, um Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Teilweise sind die gewählten Tierarten nur Menschen bekannt, die wissenschaftlich mit ihnen arbeiten. Die Organisationen wählen in der Regel Arten mit folgenden Eigenschaften:

  • Arten, die in Deutschland vom Aussterben bedroht sind.
  • Arten, deren Lebensraum bedroht ist.
  • Arten, deren Populationen in den letzten Jahren deutlich kleiner geworden sind.

Für die Naturschutzverbände sind die vielen Titel sinnvoll. Durch die Wahl werden auch Tiere, die giftig sind oder als eklig gelten, positiv dargestellt. Der Biologe Mario Ludwig ist ein bisschen skeptisch: "Meiner Meinung nach ist der Nutzen für die entsprechende Tierart eher überschaubar. Da gerät die Rotbraune Mauerbiene, für Tage in den Focus der Öffentlichkeit, um ganz schnell wieder vergessen zu werden."

Für eine langfristige Wirkung müsste eine der gewählten Art zu einem absoluten Sympathieträger werden – wie Pandas oder Koalas. Sinnvoll findet er, die Wahl mit anderen Aktionen zu verbinden, zum Beispiel mit einem Spendenaufruf.

Der Schwarzblaue Ölkäfer

Für Mario Ludwig ist der Schwarzblaue Ölkäfer eine besonders interessante Wahl. Der Naturschutzbund Deutschland hat ihn zum Insekt des Jahres 2020 gewählt. Der Käfer betätigt sich als Mietnomade. Seine Larven parasitieren bei Bienen. Wenn sie aus dem Ei geschlüpft sind, klettern sie auf eine Blüte und warten, bis Bienen vorbeikommen, um sich an dem Nektar beziehungsweise Pollen der Blüte zu bedienen.

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Ist die Biene gelandet, klammert sich die Ölkäferlarve fest und lässt sich von der Biene in den Bienenstock tragen. Dort ernährt sich die Käferlarve von den Nektarvorräten der Bienen und verspeist auch Larven und Eier der Bienen, bis die vollgefressene Käferlarve das Nest zur Verpuppung verlässt.

In der Vergangenheit wurde der Ölkäfer auch als Mordwerkzeug und als Potenzmittel eingesetzt. Die Tiere enthalten ein starkes Gift namens Cantharidin. Getrocknete und zu Pulver zermahlene Käfer wurden früher für Giftmorde eingesetzt.

Cantharidin ist auch so etwas wie das Viagra der Vergangenheit. Nimmt man nämlich eine ausreichende Menge getrockneter und zu Pulver gemahlener Käfer zu sich, kommt es zu einer heftigen Reizung der Schleimhäute von Harnröhre und Harnblase, verbunden mit einer besseren Durchblutung der Sexualorgane und damit beim Mann zu einer imposanten, aber bedauerlicherweise auch ziemlich schmerzhaften Erektion.

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Der Maulwurf

Die Deutsche Wildtierstiftung hat 2020 den Maulwurf zum Tier des Jahres gewählt. Durch seine Hügel ist er bei Gärtnerinnen und Gärtnern nicht beliebt, hat aber als Lebewesen durchaus interessante Eigenschaften, die nicht allgemein bekannt sind. Ein Beispiel: Er gehört zu den ganz wenigen Tieren, bei denen das Männchen den Weibchen nach dem Sex einen Keuschheitsgürtel verpasst. Nach der Paarung hinterlässt das Männchen einen harzähnlichen Pfropfen in der Scheide des Weibchens. Mit diesem Pfropfen verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass Nebenbuhler zum Fortpflanzungserfolg kommen.