Wenn Affen keine Belohnung bekommen, strengen sie sich nicht an. Bei einer extragroßen Belohnung strengen sie sich dagegen sehr an. Beides führt zu einem schlechten Ergebnis.

Eine große beziehungsweise besonders wertvolle Belohnung erzeugt Druck. Bekommen wir sie besonders selten in Aussicht gestellt, dann erhöht sich der Druck noch ein wenig mehr.

Auch wenn wir einen bestimmten Handgriff gut können, strengen wir uns extra an, um ein besonders gutes Ergebnis abzuliefern. Und dann klappt einfach nicht, was wir sonst vielleicht mit Leichtigkeit hinbekommen.

Forschenden ist es gelungen, dieses Prinzip mit Rhesusaffen im Versuch zu testen. Hoher Druck erzeugte dabei eine schlechtere Leistung.

"Zwar selten, aber immer wieder, bekamen die Affen angezeigt: Wenn du es jetzt richtig gut machst, kriegst du richtig viel!
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Forschenden haben mit Rhesusaffen gearbeitet, das ist eine kleine Affenart, die zum Beispiel in Asien vorkommt.

Das Experiment war so aufgebaut: Die Affen saßen vor einem Bildschirm und hatten eine Art Computermaus in der Hand. Auf dem Bildschirm erschien dann ein Punkt. Diesen Punkt sollten die Tiere mithilfe der Computermaus zu einem anderen Punkt auf dem Bildschirm herüberziehen. Und das sollten sie möglichst schnell und möglichst genau tun.

Vorab wir den Affen ihre Belohnung präsentiert

Dafür gab es jedes Mal Belohnungen. Zu Beginn des Tests wurde den Affen jeweils gezeigt, welche Belohnung sie bei korrekter Ausführung erhalten würden.

Den Rhesusaffen wurde entweder eine kleine, eine mittelgroße, eine große oder ganz selten eine besonders große Belohnung angeboten. Das heißt, ganz selten wurde ihnen suggeriert, dass sie richtig viel erhalten würden, wenn sie den Test besonders gut absolvieren.

Dabei zeichnete sich für die Forschenden folgendes Ergebnis ab: Jedes Mal, wenn es um richtig viel Belohnung ging, war die Leistung der Rhesusaffen schlechter als sonst.

Bewegungen verändern sich unter Leistungsdruck

Dieses Ergebnis erklären sich die Forschenden wie folgt: Wenn die Affen eine besonders hohe Belohnung erwarten, verändern sich ihre Bewegungen. Aktionen, die sie zuvor schnell und korrekt ausführen konnten, gelingen ihnen dann nur noch langsamer.

Die Tiere versuchen sich anscheinend stärker auf ihre Bewegungen zu konzentrieren. Sie agieren vorsichtiger und dann funktioniert der Ablauf nicht mehr ganz so schnell und genau wie zuvor.

Die Forschenden beschreiben den gesteigerten Leistungsdruck mithilfe einer Kurve. Bei einer kleinen Belohnung strengen sich die getesteten Affen kaum an, in diesem Fall ist ihre Leistung auch nicht besonders gut.

Je größer die angebotene Belohnung ist, desto mehr strengen sie sich an und umso besser ist dann auch ihre Leistung. Besonders gut war ihre Performance bei einer hohen Belohnung.

Ab einem gewissen Punkt ist der Druck so hoch, dass die Leistung sich um 10 bis 25 Prozent verschlechtert. Die Forschenden haben untersucht, was genau zu dieser Veränderung führt.

Sie fragten sich, ob die Ursache darin lag, dass die Belohnung sehr hoch war oder dass sie besonders selten angeboten wurde. Durch weitere Tests stellten sie fest, dass die Leistung der Rhesusaffen am schlechtesten war, wenn beides zutraf.

Übertragung auf den Menschen

Die Forschenden gehen davon aus, dass die Leistungsprobleme der Affen unter Druck vergleichbar sind mit dem Verhalten von Menschen. Dass es sich sozusagen um grundlegende Abläufe handelt. Daher könnten die Affen sozusagen als Modell dienen, um zu untersuchen, welche Prozesse sich in solchen Situationen in unserem Gehirn abspielen.

Wenn das gelingen würde, wäre es unter Umständen möglich herauszufinden, was Menschen beispielsweise gegen Prüfungsangst unternehmen können, oder wie wir unsere Angst bei einem Elfmeterschießen überwinden können.