Affen, die Touristen erpressen. Krähen, die gegen Belohnung Müll sammeln. Und eine Krebsart, die nach einer umstrittenen Politikerin benannt wurde. Die skurrilsten und schönsten Tiergeschichten aus 2022.

Zusammengestellt von Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig.

Ameisen, schwerer als alle wilden Säugetiere und Vögel gemeinsam

Würzburger Forschende haben im vergangenen Jahr 500 bereits erschienene Studien über Ameisen ausgewertet und in einer Datenbank vereinigt. Das Ergebnis: Weltweit gibt es rund 20 Billiarden Ameisen (oder auch: 2,5 Millionen mal so viele Ameisen wie es Menschen gibt).

In Biomasse umgerechnet heißt das: Alle Ameisen der Welt haben zusammen mehr Biomasse als alle wilden Säugetiere und Vögel gemeinsam.

Nosferatu-Spinne: Angst einflößend, aber harmlos

2022 hat eine Spinne Schlagzeilen gemacht, die eigentlich in Südeuropa und Nordafrika heimisch ist. Die sogenannte Nosferatu-Spinne ist für deutsche Verhältnisse ziemlich groß und auffällig. Sie wurde in mehreren Haushalten gesichtet, es scheint also, dass sie sich langsam, aber sicher auch in Deutschland niederlässt.

Die Spinne ist prinzipiell zwar giftig, sie beißt aber nur, wenn sie sich bedroht fühlt. Ihr Biss ist vergleichbar mit einem leichten Wespenstich.

Chinesischer Flussdelfin: Wahrscheinlich ausgestorben

Das letzte Mal, dass ein Chinesischer Flussdelfin gesichtet wurde, war 2016. Man geht inzwischen davon aus, dass diese Art ausgestorben ist. "Verantwortlich ist mal wieder der Mensch", sagt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Hauptgrund für das Aussterben des Chinesischen Flussdelfins war wohl der Einsatz von Fischernetzen mit Haken, in denen sich die Delfine als Beifang verfangen haben und ertranken.

Flusskrebs entdeckt, benannt nach Sahra Wagenknecht

Eine neue Art, die ein deutscher Wissenschaftler entdeckt hat, ist ein knallroter Süßwasserkrebs. Entdeckt wurde er auf der Insel Neuguinea, benannt wurde er "Cherax wagenknechtae" – zu Ehren der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.

Wieder mehr Finnwale in der Antarktis

Finnwale sind nach dem Blauwal die größten Tiere der Welt, sie werden bis zu 27 Meter lang und bis zu 80 Tonnen schwer. Finnwale waren durch den kommerziellen Walfang fast ausgerottet. Zum ersten Mal seit dem Fangverbot für Finnwale vor mehr als 40 Jahren haben Forscherinnen und Forscher mit Hilfe von Drohnen- und Helikopterflügen wieder größere Bestände in der Antarktis entdeckt. Die Bestände haben sich also einigermaßen erholt.

Krähen, angestellt als Müllsammler

In Södertälje, Schweden, versucht die örtliche Stadtverwaltung Krähen zum Aufsammeln vor allem von Zigarettenstummeln zu bewegen. Sie werfen sie in speziell konstruierte Müllsammelautomaten, die für jede abgelieferte Müllladung den Krähen ein bisschen Futter spendieren. Die Krähen werden also für ihre Sammeltätigkeit entlohnt.

Affen, die Touristen erpressen

Auf der indonesischen Insel Bali haben sich in der Nähe des Uluwatu-Tempels mehrere Hundert Javaner-Affen auf Diebstahl spezialisiert. Das machen sie schon länger, aber die Ausmaße und die Raffinesse sind erst dieses Jahr bekannt geworden. Bevorzugte Opfer der Affen sind Touristen, die den Tempel besuchen. Sie stehlen Brillen, Flip-Flops, Kamerataschen, Smartphones und Portmonees – und rücken das nach der Gabe von Futter wieder heraus. Die Affen haben die Methode der Erpressung gelernt.

  • Moderation:  Rahel Klein
  • Gesprächspartner:  Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte