Die Organisation "Soko Tierschutz" hat in einem Milchviehbetrieb im Allgäu fotografiert und gefilmt. Die Aufnahmen zeigen: Der Betrieb hat seine Milchkühe wohl getreten, geschlagen und misshandelt.

Eine Kuh, die selbst nicht mehr laufen kann, wird von Mitarbeitern geschlagen und getreten. Sie schleifen die Tiere mit Hüftklammern und Traktoren durch den Stall. Diese Bilder stammen aus einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach im Allgäu.

Tiere wurden geschlagen, getreten, misshandelt

Eine Kuh wird mit einem Traktor durch den Stall gezerrt.
© Soko Tierschutz
Die Tierrechtsorganisation "Soko Tierschutz" hat mit verdeckter Kamera im Milchviehbetrieb in Bad Grönebach gefilmt.

Mit über 1000 Tieren gehört der Hof zu den größten Betrieben in Deutschland. Die Tierrechtsorganisation "Soko Tierschutz" hat mit versteckter Kamera in den Ställen gefilmt und die Aufnahmen der ARD und der Süddeutschen Zeitung übergeben.

"Das Tier wird mit aller Gewalt, obwohl es nicht gehen kann, in einen Transporter gezerrt, dann zum Hauptbetrieb gefahren, da über Tage vernachlässigt."
Friedrich Mülln, Tierrechtsorganisation "Soko Tierschutz"

Wenn die Vorwürfe von "Soko Tierschutz" stimmen, dann sind das klare Verstöße gegen bestehende Gesetze. Der Landwirt selbst äußert sich auf Deutschlandfunk Nova-Nachfrage nicht.

Das örtliche Veterinäramt Unterallgäu habe den Betrieb in den vergangenen fünf Jahren unangemeldet dutzendfach kontrolliert. Dabei wurden tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt. Aber die Beanstandungen seien nur im gering- bis mittelgradigen Bereich gewesen, so das Veterinäramt. Die Mängel seien beseitigt worden. Es wurden aber mehrfach Bußgelder wegen Verstößen gegen die Tiergesundheit verhängt. Und auch Strafanzeigen gestellt.

"Die Bilder, mit denen wir konfrontiert sind, machen uns tief betroffen. Der Betreiber wurde regelmäßig unangemeldet kontrolliert."
Hans-Joachim Weirather, zuständiger Landrat beim Veterinäramt Unterallgäu

Die Milch des Betriebs geht vor allem an die Käserei Champignon, der einen Ofenkäse herstellt, den es in vielen Supermärkten zu kaufen gibt. Die Käserei will nun prüfen, ob sie die Zusammenarbeit mit diesem Milchhof möglicherweise beendet.

Die Vorwürfe gehen weiter: "Soko Tierschutz" sagt, dass zum Teil auch Fleisch von kranken Tieren dieses Hofs in die Lebensmittelkette gelangt ist, an einen Schlachthof geliefert wurde.

"Wir haben Anzeige erstattet gegen den Betriebsleiter, die Mitarbeiter aber auch die praktizierenden Tierärzte, die das Ganze zumindest geduldet haben."
Friedrich Mülln, Tierrechtsorganisation "Soko Tierschutz"

Durch die Vorwürfe ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Der bayerische Verbraucherschutzminister verspricht umfassende Aufklärung und die Soko Tierschutz hat Anzeigen gegen den Betrieb erstattet.

"Soko Tierschutz" will vor allem Öffentlichkeit schaffen und darauf hinweisen, welche Verhältnisse in der Tierindustrie und offenbar eben auch in riesigen Milchviehhöfen herrschen.