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Erfahrene Rothirschkühe zu jagen, kann für die Jäger eine richtige Herausforderung sein. Denn die Wildtiere haben im Laufe ihres Lebens viele Verhaltensweisen erlernt, die ihnen dabei helfen, kaum noch erlegbar zu sein.

18 Jahre ist ein stolzes Alter für eine Rothirschkuh – und viel Zeit, um einiges über das Verhalten ihrer größten Feinde, den Jägerinnen und Jägern, zu lernen. Was genau sie alles gelernt haben, das haben drei Forschende der University von Alberta in einer langjährigen Studie untersucht. Dabei haben sie insgesamt 49 weibliche Rothirsche im Alter von eins bis 18 Jahren mit Funkhalsbändern ausgestattet und ihre Wege durch die Wälder der kanadischen Provinzen Alberta und British Columbia über mehrere Jahre hinweg verfolgt.

Aus Fehlern der anderen lernen

Dabei konnten die Forschenden beobachten, dass alte Rothirschkühe mit ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen ihren Jägern aus dem Weg gehen. Beispielsweise bewegen sich ältere Tiere deutlich langsamer und senken so die Wahrscheinlichkeit, bei der Jagd entdeckt zu werden. In der Nähe von Straßen verstecken sich erfahrene Rothirschkühe verstärkt im Wald und im Unterholz – besonders zu den Hauptjagdzeiten früh morgens und früh abends.

Die Forschenden vermuten, dass die Rothirschkühe hier häufig aus den Fehlern der Hirschmänner, die aufgrund ihres Geweihs bevorzugt gejagt werden, lernen. Im Alter von neun Jahren hätten die Rothirschkühe bereits so viel gelernt, dass sie für die Jäger kaum noch zu erlegen seien.

"Im Alter von etwa 9 Jahren haben die Hirschkühe so viel über Jäger und die Jagd gelernt, dass sie für einen Jäger gar nicht mehr zu erlegen sind."
Mario Ludwig, Biologe

Die gewonnene Erfahrung geht sogar so weit, dass sie sich sogar an die Bewaffnung der Jägerinnen und Jäger anpassen können.

Bogenschützen haben es besonders schwer

Das schließen die Forschenden aus einer Beobachtung, bei der sich Rothirschkühe während der Jagdsaison der Bogenschützen in ein eher zerklüftetes Gebiet zurückgezogen haben. Denn in solchen Gebieten haben die Jäger keine andere Möglichkeit, als sich ganz nahe an die Tiere heranzupirschen. Das gibt den Tieren wiederum die Möglichkeit, die Jäger zu entdecken und noch rechtzeitig zu fliehen.

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Wildschweine passen sich an die Bedrohungslage an

Rothirschkühe sind allerdings nicht die einzigen Tiere, die ihre Jäger mit weisen Taktiken austricksen. Auch erfahrene Bachen, also weibliche Wildschweine, wissen, wie sie ihren Jägerinnen und Jägern aus dem Wege gehen können. Das konnte der Deutsche Jagdverband ebenfalls mit der Hilfe von Sendehalsbändern beobachten. Hören sie beispielsweise Autotüren knallen, dann führen sie ihre Rotte noch vor Beginn der Jagd aus der Gefahrenzone heraus.

Ein Wildschwein guckt freundlich in eine Kamera.

Dass Wildschweine ihr Verhalten an die jeweilige Bedrohungslage anpassen, kann man an den Wildschweinen erkennen, die in der Stadt leben. Während Wildschweine, die im Wald leben, Menschen nur auf 90 Meter nahekommen lassen, fliehen Stadt-Wildschweine oft erst, wenn ein Mensch sich auf 30 Meter annähert. Denn die Tiere haben gelernt, dass sie in der Stadt nicht erschossen werden, da es dort schlichtweg nicht erlaubt ist, mit Schusswaffen zu jagen.

Verhaltensweisen noch nicht ganz erklärbar

Ob derartige Verhaltensweisen nur mit dem Alter und der Erfahrung eines Tieres zusammenhängen oder ob noch andere Faktoren eine Rolle spielen, konnten die Forschenden noch nicht klären. Möglicherweise spiele auch die Hirngröße eine Rolle. Doch auch hier weiß man schon: Mehr Gehirnmasse bedeutet nicht gleich größere Intelligenz wie der Vergleich des riesigen Pferdegehirns mit dem Gehirn eines Menschen zeigt.