Die Angoraziege liefert die beliebte Mohairwolle. Südafrikanische Farmer haben sich auf die Produktion spezialisiert. Manche missachten den Tierschutz.

Woher die Angoraziege ursprünglich stammt, ist nicht bekannt. Aber in der Türkei und Anatolien wurde diese Hausziegenart vor Jahrhunderten gehalten. Von dort ist sie Anfang des 19. Jahrhunderts nach Südafrika und später nach Kalifornien exportiert worden. Mitteleuropäisches Klima mag sie nicht, das ist ihr zu nass.

"Die feinste Mohairwolle der Welt kommt aus Südafrika."
Andreas Herrler, Korrespondent in Südafrika

Das Haar der Angoraziege ist begehrt: Es ist lang, seidig glänzend und lockig. Die Wolle daraus wird Mohairwolle oder auch Diamant Faser genannt und gilt als eines der teuersten Garne. Es ist sehr weich und fein, kratzt nicht auf der Haut. Je jünger die Tiere, desto feiner die Wolle. Bereits sechs Monate alte Jungtiere werden geschoren.

Außer der Weichheit besitzt Mohairwolle noch andere Vorteile:

  • Sie absorbiert Feuchtigkeit
  • Ist wasserabweisend
  • Wärmt im Winter und kühlt im Sommer
  • Knittert nicht
  • Wirkt antibakteriell
  • Ist nicht brennbar

Verwendung von Mohairwolle:

  • Kleidungsstücke
  • Teppiche
  • Bettwäsche
  • Kissen
  • Handtaschen
  • Plüschtiere

In Südafrika haben sich Farmer auf die Zucht der Angoraziege und die Mohair-Produktion spezialisiert. Ungefähr die Hälfte der weltweiten jährlichen Mohairproduktion von rund 15.000 Tonnen stammt aus Südafrika.

Die südafrikanischen Mohair-Produzenten sind mittelständische Betriebe, sagt unser Korrespondent Andreas Herrler. Er berichtet, dass es ungefähr 1000 Angoraziegenfarmen gibt, in denen rund 30.000 Menschen beschäftigt sind, was ungefähr 30 Beschäftigte pro Farm bedeutet. Einige Farmen bieten für Interessierte und Touristen Besichtigungen an.

Schwarze Schafe unter den Mohair-Produzenten

Von diesen 1000 Farmen gibt es 12 - laut der Tierschutzorganisation Peta -, die es mit dem Tierschutz nicht so genau nehmen. Dort werden die Tiere misshandelt, verstümmelt, in chemischen Flüssigkeiten getaucht oder bei Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten. Andreas Herrler geht davon aus, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt. 

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Der Verband der Mohair-Produzenten hat diese Tierquälerei zwar verurteilt, wirft aber Peta wiederum vor, die Mohair-Produzenten falsch darzustellen. Zu den Vorfällen hat der Verband eigene Untersuchungen eingeleitet. Bewahrheiten sich die Vorwürfe, würde gegen die Betriebe Strafanzeige gestellt werden. Vorab hat sich der Verband von den beschuldigten Betrieben distanziert und die Zusammenarbeit aufgekündigt. Dabei handele es sich um nicht zertifizierte Betriebe. Abgesehen davon würden die Betriebe ihre eigene Geschäftsgrundlage zerstören, wenn sie die Ziegen derart quälen.

Verantwortung liegt bei den Abnehmern

In Südafrika gibt es Tierschutzgesetze aus dem Jahr 1962, in denen viele Bereiche geregelt werden. Wer Tiere quält, muss nach dem Gesetz 250 Euro bezahlen oder ins Gefängnis gehen und darf nie wieder irgendwelche Tiere halten. Aber für Nutztiere gibt es daneben noch freiwillige Standards für den Tierschutz. Ob die Abnehmer von Mohairwolle bei zertifizierten Mohair-Produzenten einkaufen, die diese Standards einhalten, entscheiden diese selbst.

"Der Tierschutz fängt beim Menschen an."
Andreas Herrler, Korrespondent in Südafrika

Die Vorwürfe von Peta gegen die Mohair-Produzenten waren vor allem in Wirtschaftszeitungen ein Thema. In der Bevölkerung ist es dagegen kaum ein Thema, denn die Mohairwolle wird hauptsächlich exportiert. Ein Großteil kann sich Produkte aus Mohair ohnehin nicht leisten und ob Abnehmer aus Europa in Südafrika nicht mehr einkaufen, ist für sie ohne Belang, erklärt Andreas Herrler.

"Der ärmere Teil der Bevölkerung, das ist nun mal ein sehr großer Teil der Bevölkerung, wir haben hier über 25 Prozent Arbeitslosigkeit und viele Menschen, die nicht einmal eine ordentliche Wohnung haben, die können sich Produkte aus Mohair sowieso nicht leisten."
Andreas Herrler, Korrespondent in Südafrika

Der Umsatz der Mohair-Produktion beläuft sich auf rund 100 Millionen Euro im Jahr, berichtet Andreas Herrler.