Der "Alpensoundtrack" sei für Trägerinnen von Kuhglocken eine Qual, behauptet eine Flachland-Tierschützerin. Am Ohr der Kuh komme das Gebimmel so laut wie ein Presslufthammer an.

Seit einem Jahr kämpft die Niederländerin Nancy Holten gegen die Kuhglocken. Die Niederländerin lebt seit einigen Jahren in der Schweiz und fordert, den Kuhglockenbrauch abzuschaffen. Gestützt wird ihre Forderung durch einen Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Doktorandin Julia Johns und Forschungsleiterin Edna Hillmann haben den Kühnen 24 Stunden lang Glocken umgehängt, mal mit frei hängendem Klöppel, mal mit befestigtem Klöppel, so dass die Kühe nur das Gewicht der Glocke spürten. Ihr Fazit: Beide Varianten hätten sich negativ auf das Fressverhalten ausgewirkt.

Bis zu 110 Dezibel schallt den Kühen ans Ohr - vergleichbar einem Presslufthammer. Die Wissenschaftlerinnen sagen, das Gehör sei dem menschlichen vergleichbar, eher noch empfindlicher. Auf Dauer würden die Kühe schwerhörig werden. Das wiederum könnte zu Problemen mit dem Nachwuchs führen.

Schweizer wollen an Tradition festhalten

Die 41-Jährige Niederländerin hat deshalb die Facebook-Kampagne "Kuhglocke Out" gestartet und fordert bei Medienauftritten die Abschaffung der Kuhglocken. Die Facebook-Seite "Pro Kuhglocke" hat allerdings sehr viel mehr Befürworter und Nancy Holten muss inzwischen einen regelrechten Shitstorm aushalten. Der Schweizer-Tourismus-Sprecher Alain Suter verteidigt den "Soundtrack der Alpen" gegen Forderungen der Tierschützerin. An der Tradition gebe es nichts zu rütteln.

Die Bauern schimpfen auf die Niederländerin und die Forscher: Deren Studie habe Fehler, weil sie den Feldversuch mit 5,5 Kilo schweren Glocken durchführten. Die Bauern würden die Kühe aber mit viel leichteren Glocken auf den Almen weiden lassen, die 500 bis 700 Gramm wiegen. Außerdem seien die Glocken wichtig, um die Kühe orten zu können. Tierschützer dagegen schlagen den Bauern vor, die Kühen mit Chips zu versehen. Im Herbst zum Almabtrieb wollen die Tierschützer eine weitere Kampagnen einläuten.

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