Die Tübinger liefen Sturm. Nun stellt das renommierte Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik seine Versuche an Affen ein. Auslöser für den Protest waren wohl heimlich aufgenommene Bilder von blutverschmierten Affen.

Aus Sicht der Tierschützer ist es ein Erfolg: Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik will künftig im Rahmen der Hirnforschung nicht mehr an Primaten experimentieren. Die Max-Planck-Gesellschaft teilte in einer Stellungnahme mit: "Nikos Logothetis hat die Scientific Community darüber informiert, dass er nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Experimente an Primaten zukünftig ausschließlich an Nagetieren forschen wird."

Blutige Hirnforschung

Vorausgegangen waren monatelange Proteste in Tübingen, nach dem wohl heimlich aufgenommene Bilder aus der Forschungseinrichtung in Umlauf waren, die auch bei stern.tv gesendet wurden. Auf ihnen sieht man blutverschmierte Affen, Affen in Käfigen und mit Apparaturen am Kopf. Die Bilder stammen wahrscheinlich von einem Tierschützer, der sich als Tierpfleger ausgegeben hat.

"Die Bilder sind vermutlich nicht technisch manipuliert, aber - das sagt das Max-Planck-Insitut - aus dem Zusammenhang gerissen."
Matthias Wurms, DRadio-Wissen-Nachrichten

Die Wissenschaftler sagen, ein Affe habe ein Antibiotikum bekommen, um ihm zu helfen. Da kommt es wohl häufig vor, dass sich ein Tier erbricht. Ein weiterer Affe sei durch den Kameramann zusätzlich aufgeregt worden. Für die Wissenschaftler am Institut jedenfalls wurde der Alltag in Tübingen nach Veröffentlichung der Bilder ziemlich hart: Die Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft, Christina Beck, erzählt von Anfeindungen beim Brötchenkauf, selbst die Kinder wurden in der Schule geschnitten.

Morddrohungen gegen den Direktor

Neurowissenschaftler Nikos Logothetis, Direktor des Instituts in Tübingen, habe sogar Morddrohungen bekommen. Er will die genehmigten Versuche an den Primaten nun beenden, was noch zwei bis drei Jahre dauere, um danach nur noch mit Nagetieren zu arbeiten. Den Tierschützern reicht das aber nicht. Friedrich Mülln von der sogenannten Soko Tierschutz sagt, Nagetiere sind genauso empfindsam. Tübingens Oberbürgermeister, der Grüne Boris Palmer, bedauert die Entscheidung von Logothetis.

"Nikos Logothetis gehört schon zu den absoluten Koryphäen der Hirnforschung und viele halten die Versuche, die er in Tübingen macht, geradezu für bahnbrechend."
Matthias Wurms, DRadio Wissen Nachrichten

Logothetis untersucht in Tübingen die Hirnströme direkt im Hirn, mithilfe kleiner Elektroden, während das Tier im Magnet-Resonanz-Tomographen liegt. Eigentlich überlagern die Magnetfelder des Tomographen dabei die messbaren Hirnströme - Logothetis hat es aber als erster geschafft, beides gleichzeitig zu messen. Das hilft bei der Interpretation der Bilder. Letztendlich soll das dazu dienen, neurologische Gehirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson besser zu behandeln.